ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2006zu Fonds: Wenn schon, denn schon

VARIA: Schlusspunkt

zu Fonds: Wenn schon, denn schon

Dtsch Arztebl 2006; 103(14): [64]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Langjährige Leser wissen, dass ich nicht unbedingt ein Freund von Investmentfonds bin. Zwar bin ich durchaus ein Anhänger der (ursprünglichen) Idee, mit einem Fonds ließe sich das Anlagerisiko reduzieren, weil dort in verschiedene Titel oder Branchen investiert wird und der Anleger nicht so Bescheid wisse wie der Fondsmanager. Aber ich fürchte, von diesen hehren Zielen entfernen sich viele Fonds, manche gar meilenweit. Warum? Es gibt halt jede Menge Geld zu verdienen.
Dazu eine kleine Geschichte: Noch zu DM-Zeiten besuchten mich drei Direktoren einer feinen Privatbank. Ob ich denn nicht einen Fonds für sie managen wollte, ich wäre doch vom Fach, und sie hätten auch nur Gutes von mir gehört und so weiter. Sie könnten sich vorstellen, dass dieser Fonds in ein paar Jahren gut 100 Millionen DM schwer wäre, von der Verwaltungsgebühr von 1,2 bis 1,5 Prozent p.a. bekäme ich dann die Hälfte, die andere Hälfte wäre für die Depotbank. In diesen zweieinhalb Stunden haben wir, glaube ich, 15 Minuten über meine mögliche Anlagestrategie geredet, der Rest ging um Gebühren und wie oft der Fonds sein Vermögen umschlagen sollte.
Das hat mich misstrauisch gemacht, bis ich verstanden habe, dass bei jeder Transaktion, ob Kauf oder Verkauf, der Fonds Wertpapierspesen an die Depotbank zahlen muss, und, je nach Hemmschwelle, fallen bei dieser Gebührenstellschraube für die Depotbank und die Fondsgesellschaft, beide meist einer Bank zugehörig, erkleckliche Beträge an. Da können also über alle sonstigen Kosten zusammengerechnet mehrere Prozent pro Jahr zusammenkommen. Das Angebot der Bank habe ich übrigens nicht angenommen, jedes Jahr mehr als vier bis fünf Prozent erwirtschaften zu müssen, damit der Anleger gerade mal so plus/minus rauskommt – das war mir dann doch zu haarig.
So lässt sich auch leicht verstehen, warum in den Depots etlicher Anleger so viele Fonds untergebracht werden, auch und gerade bei größeren Summen. In der Regel geht der Ausgabeaufschlag in Gänze an die Bank, und selbst wenn dieser „kundenfreundlich“ halbiert wird, bleibt dem Geldinstitut noch ein guter Batzen übrig. Bei den jährlichen Kosten verdient die Bank darüber hinaus noch an den Transaktionskosten, der Bestandspflegeprovision und der Depotgebühr. Wer also in Fonds bleiben will, sollte daher aus Kostengründen eine Online-Bank (z. B. comdirect oder diraba) bevorzugen. Noch besser fährt, wer direkt ein spezielles Fondsdepot führt. Bei der „ebase“ (European Bank for Fund Services) – das ist ein Tochterunternehmen der Commerzbank – ist die Depotführung mit einer jährlichen Pauschale von 36 Euro konkurrenzlos günstig. Die Qual der richtigen Fondsauswahl bleibt gleichwohl.
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