ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 1/2006Aktivurlaub in Island: Eldorado für Abenteurer

Supplement: Reisemagazin

Aktivurlaub in Island: Eldorado für Abenteurer

Dtsch Arztebl 2006; 103(14): [8]

Michael, Christian

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Großartiges Naturspektakel: Der Gullfoss – der goldene Wasserfall – im Süden Islands gehört zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Insel. Fotos: Isländisches Fremdenverkehrsamt
Großartiges Naturspektakel: Der Gullfoss – der goldene Wasserfall – im Süden Islands gehört zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Insel. Fotos: Isländisches Fremdenverkehrsamt
Die Palette reicht vom Angeln, Jagen und Reiten über River-Rafting und Mountain-Biking bis zum Wandern.

Westeuropäern, nach Island befragt, kommt nicht selten nur „Feuer und Eis“ über die Lippen. Dabei bietet die Insel im stürmischen Nordatlantik weit mehr als diese ohnehin schon großartigen Naturspektakel: An den Küsten wechseln Fjordlandschaften mit Steilklippen und flachen Sandern, während im Inneren Geröllwüsten mit grünen Tälern alternieren und graue Lavafelder von mächtigen Flüssen in tiefen Canyons mit atemberaubenden Wasserfällen durchzogen werden.
Zugegeben, die verwegene Schönheit dieses Spielplatzes der Elemente kann man nicht im Vorbeifahren konsumieren. Island will nicht bereist, sondern erobert werden. Dabei reicht die Palette vom friedlichen Angeln und Wandern über Jagen und Reiten bis zum wilden Mountain-Biking, River-Rafting und Gletscherabenteuer im Snowscooter.
Mit einer gewissen Zwangsläufigkeit wird der Islandgast seinen Besuch im 105 000 Einwohner zählenden Reykjavík beginnen, dessen Name sich als „rauchende Bucht“ übersetzen lässt, was auf den Dampf der heißen Quellen in der Umgebung zurückgeht. Auf Island hat man sich die geothermische Energie zunutze gemacht; Heizungen auf Öl-, Gas- oder Kohlebasis sind deshalb so gut wie unbekannt, und die Isländer selbst halten Reykjavík für die sauberste Stadt der Welt. Die Luft ist klar, und oft genießt man eine ausgezeichnete Fernsicht bis zum schneebedeckten 1 466 Meter hohen Vulkan Snaefellsjökull, der fast 100 Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegt.
Zentrum des Gletschertourismus ist Höfn am Südostrand des Vätnajökull, der Island mit seiner mächtigen Gletscherkappe beherrscht. 50 Kilometer westlich an der Skálafellsjökull-Zunge geht es auf Gletscher-Safari. Fun pur, in endloser Weite mit dem Snowscooter über die grandiose Kulisse des mächtigen Eispanzers zu schlittern. Beste Aussicht auf die Schneemassen gibt es bei diesem Erlebnistrip auf ewigem Eis gratis.
Wer es ruhiger liebt: Zu den eindrucksvollsten Island-Abenteuern gehört eine Bootsfahrt auf dem 120 Meter tiefen Gletschersee Jökulsarlón. Auf der Lagune treibende, bizarre Eiskolosse in den verschiedensten Farben von Weiß über Blau bis Schwarz zaubern einen Hauch von Arktis herbei. Islands „letzter Outdoor-Schrei“ ist das Eisklettern. Einwöchige Kraxelkurse werden auf dem Eyjafjalljökull und dem Myrdalsjökull angeboten.
In jüngster Zeit entdecken River-Rafter die Stromschnellen der isländischen Flüsse. Hartgesottene Aktivurlauber versuchen sich in Schlauchbooten und Kanus an der Hvíta unterhalb des Gullfoss und in verschiedenen Schwierigkeitsgraden (auch für Kinder ab sechs Jahren) auf Blanda sowie Jökulsá Vestari und Austari. Wer partout nicht aus dem Boot fällt und eine Erfrischung braucht, für den ist Cliff-Jumping das Richtige. Eine heiße Schokolade, aus natürlichem Quellwasser bereitet, bringt dann wieder Leben in die bei elf Grad Celsius Wassertemperatur versteiften Glieder.
Wasserverbundene Landratten frönen auf der Insel dem Angelsport; Island gilt als Paradies für Hobby- und Sportangler. Fünf Fischarten sind dort endemisch: Forelle, Saibling, Aal, Stichling und Lachs, wobei für Letzteren die Saison von Mitte Mai bis Ende September ist. Islands Behörden sind sehr um die Fischbestände bemüht und beschränken das Angeln deshalb mit der Ausgabe von Lizenzen, die zumeist in den Gemeinden erhältlich sind. Beste Lachsgewässer sind die Flüsse Elidáa bei Reykjavík oder Laxá, der aus dem Mývatn fließt, einem einzigartigen See im Norden der Insel, dessen Name sich schlicht mit „Mückensee“ übersetzen lässt. In der Tat schwirren im Juli und August an windstillen Tagen Myriaden dieser Tiere umher und machen ein gutes Insektenmittel unerlässlich.
Der malerische See ist auch ein Dorado für Ornithologen. Alle 15 isländischen Entenarten sind hier vertreten. Auf organisierte Gänsejagd dagegen geht man in der Saison, die am 10. August beginnt, in Skagafjördur. Acht Abschüsse pro Person und Tag sind hier das Limit.
In Skagafjördur, auch bekannt als „Tal der Pferde“, gibt es die Chance, Erfahrungen auf dem Rücken eines Islandpferdes zu sammeln. Seit rund 1 000 Jahren wird diese Rasse ohne Fremdeinkreuzung gezüchtet und gilt als direkter Nachkomme des germanischen Pferdes des Mittelalters. Nicht Schönheit und Eleganz sind gefragt, sondern Sicherheit und Ausdauer. Diesen genügsamen Tieren kann sich auch jeder unerfahrene Reiter anvertrauen. Ausgesprochene Reitkleidung ist in Island unüblich, nur dem Wetter sollte sie angepasst sein; selten erreicht das Thermometer dort 20 Grad Celsius, und mit einem starken, kurzen Schauer muss jederzeit gerechnet werden, auch wenn dieser von Wind und Sonne schnell wieder vertrieben wird – frei nach der isländischen Devise: „Wenn dir das Wetter nicht gefällt, dann warte nur einen Augenblick.“
Mit den trittsicheren Pferden geht es je nach Anspruch und Ausdauer auf einstündige bis mehrtägige Wanderritte vorbei an Gletscherflüssen, Sand- und Steinwüsten, heißen Quellen, brodelnden Schlammkesseln und Geysiren, über samtweiche Moospolster und Teppiche von Wildblumen. Wer länger mit den Pferden unterwegs ist, lernt, dass das Islandpferd ein so genanntes Gangpferd ist: Neben Schritt, Trab und Galopp beherrscht es zusätzlich den geschmeidigen Tölt und den fliegenden Pass.
Wem das zu tierisch ist, ebenfalls Mountain-Biker haben Island mit seinen rauen Pisten als Ziel für sich entdeckt. Doch auch auf Island gibt es Gesetze, die das Querfeldeinfahren nicht überall erlauben. Empfehlenswert sind deshalb organisierte Touren.
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Bleibt zu guter Letzt die Tour auf Schusters Rappen, bei der vielleicht am meisten Naturverbundenheit dokumentiert wird. Auch hier gilt es, Erfahrung für schwieriges Terrain mitzubringen sowie auf solide Ausrüstung und gute Kondition zu setzen.
Fragen wir das nächste Mal wieder nach Island, dann waren es vielleicht gar nicht die Gletscher und Geysire, Wasserfälle, Rafting- und Reitabenteuer, die am meisten beeindruckten, sondern andere Gäste, die Island von Mai bis September besuchen; dann nämlich ist dort Walfisch-Saison. Christian Michael

Informationen:
Isländisches Fremdenverkehrsamt, Frankfurter Straße 181, 63263 Neu-Isenburg, Telefon: 0 61 02/25 44 84, Fax: 0 61 02/25 45 70, E-Mail: info@icetourist.de, Internet: www.icetourist.de.
Anreise: Icelandair (www.icelandair.de) fliegt von Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart, Iceland Express (www.icelandexpress.com) von Berlin-Schönefeld, Frankfurt-Hahn und Friedrichshafen, LTU (www.ltu.de) von Düsseldorf und München, Troll Tours Reisen (www.trolltours.de) von Düsseldorf und München nach Reykjavík.
Aktivitäten: Activity Tours (www.activity.is), Natur pur (www.natur-pur-rei
sen.de); Hestasport (www.riding.is); North Sailing (www.northsailing.is); The Golf Union of Iceland (www.golf.is); The Touring Club of Iceland (www.mmedia.is/~ifhk/touring.htm).

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