ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2006Psychoonkologie: Zustimmung

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Psychoonkologie: Zustimmung

PP 5, Ausgabe April 2006, Seite 166

Günther, Heinrich

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LNSLNS Dem Artikel von Dr. Christa Hack über die Psychoonkologie kann hinsichtlich deren großer Bedeutung und des Nutzens ihrer kompetenten Ausübung nur zugestimmt werden. Jedes Gespräch über eine Neudiagnose, über einen Krankheitsrückfall, ja über eine Befundverschlechterung im Verlauf lässt die Lebensbedrohung für den Patienten mehr oder weniger akut bzw. krisenhaft aufschießen. Noch zentraler an der Biografie und damit an der Person des Kranken ist jedes Arzt-Patient-Gespräch in Todesnähe . . . Jede onkologische Tätigkeit ist also zwingend psychoonkologisch wirksam – allerdings wird dies in unterschiedlicher Qualität erfolgen. Missverständlich erscheint mir daher die Aussage „Als Teilgebiet der Psychosomatik beschäftigt sie sich mit dem kranken Menschen im Gegensatz zur Behandlung kranker Organe“ – zumindest sofern damit ausgedrückt werden sollte, dass die „somatischen“ Onkologen nur den Blick auf erkrankte Organe richten. Es trifft sicher zu, dass es kommunikative Defizite in der Begleitung von Tumorpatienten gibt. Um diese zum Wohle der Patienten abzubauen, bedarf es der Integration psychoonkologischer Inhalte in die onkologische Praxis, Klinik und Fortbildung gleichermaßen wie des engen Dialogs zwischen Onkologen und psychosomatischen Psychoonkologen. Vermisst habe ich daher eher Empfehlungen, Erfahrungen der Autorin oder die Diskussion, wie die Arbeitsteilung und Kommunikation zwischen psychosomatischen Psychotherapeuten und betreuenden Onkologen stattfinden sollte. Ohne enge Verzahnung dieser Kommunikation – und das scheint mir ein nicht unbedeutendes methodisches Problem – droht m. E. eine Leib-Seele-Trennung, die sich keineswegs mit der von der Autorin zu Recht angestrebten Ganzheitlichkeit vereinbaren lässt.
Dr. Heinrich Günther, Lönsstraße 12, 01259 Dresden
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