ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2006109. Deutscher Ärztetag 2006: Gegen Stigmatisierung psychisch Kranker

WISSENSCHAFT

109. Deutscher Ärztetag 2006: Gegen Stigmatisierung psychisch Kranker

PP 5, Ausgabe April 2006, Seite 172

Bühring, Petra

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LNSLNS Der 109. Deutsche Ärztetag in Magdeburg (23. bis 26. Mai 2006) soll dazu beitragen, die Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen aktiv zu bekämpfen. Außerdem sollen die psychiatrisch-psychosomatisch-psychotherapeutischen Kompetenzen im ärztlichen Handeln verdeutlicht werden. Trotz der Fortschritte in Behandlung und Versorgung sind psychisch Kranke häufig einer Stigmatisierung ausgesetzt, die die psychische Erkrankung verschärfen kann. Aufgrund von Vorurteilen distanzieren sich Personen aus dem Umfeld von den Betroffenen und deren Familie.
Aber auch in der Ärzteschaft findet man oftmals skeptische Einstellungen gegenüber psychischen Erkrankungen und ihrer Behandelbarkeit, stellt die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) fest. Der Erkrankte selbst verinnerliche oftmals die Stigmatisierung und Diskriminierung. Dieses Phänomen wird als eine „zweite Erkrankung“ bezeichnet. Deshalb haben die WHO, der Weltverband für Psychiatrie und nationale Fachgesellschaften Aktionsprogramme gestartet, die einer Diskriminierung entgegenwirken sollen. Die BÄK beteiligt sich an der Durchführung des nationalen Antistigmaprogramms.
Das Selbstverständnis der Medizin basiert auf einer ganzheitlichen Sicht auf den Menschen. Aber in den letzten Jahrzehnten sei eine Verlagerung zu somatischen Aspekten und zur Nutzung der vielen technischen Errungenschaften zu verzeichnen, beklagt die BÄK. Die Kernkompetenzen Psychosomatik in den einzelnen Fachgebieten und die ärztliche Psychotherapie als besondere Ausprägung der sprechenden Medizin drohten als wesentliche Bestandteile der ärztlichen Berufsausübung verloren zu gehen. Der 109. Deutsche Ärztetag soll deshalb darauf hinwirken, dass die Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit psychogenen Symptomen, somatopsychischen Reaktionen und psychosozialen Zusammenhängen in allen patientenbezogenen Weiterbildungsfächern verstärkt vermittelt werden. Die psychosomatische Kompetenz soll in alle Fortbildungen für Ärzte in Klinik und Praxis integriert werden. Die Zuständigkeit der Ärzte für die „ureigensten Aufgaben der Medizin“ soll erhalten bleiben, und Kernkompetenzen sollen nicht an andere Berufsgruppen delegiert werden. PB
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