ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2006Bundesrat: „Ethische Schieflage“

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Bundesrat: „Ethische Schieflage“

SR/kna

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LNSLNS Kommerzialisierung von Selbsttötungen soll unter Strafe gestellt werden.
Die „geschäftsmäßige Vermittlung von Gelegenheiten zur Selbsttötung“ soll unter Strafe gestellt werden. Das sieht ein Gesetzesantrag der Länder Thüringen, Hessen und Saarland vor, der am 7. April in den Bundesrat eingebracht wurde. Die CDU-regierten Länder wollen damit einer Kommerzialisierung von Selbsttötungen entgegenwirken, weil entsprechende Organisationen neben Mitgliedsbeiträgen auch für ihre Einzelleistungen Geld fordern.
Das Anliegen dieser Institutionen sei es, einer Vielzahl von Menschen eine „effiziente“ Möglichkeit für eine Selbsttötung zu verschaffen. Im Vordergrund stehe dabei nicht ein Beratungsangebot über lebensbejahende Perspektiven, sondern allein die rasche Abwicklung des bereits gefassten Selbsttötungsentschlusses, heißt es in dem Antrag. Besonders problematisch sei, dass diese Organisationen auch solchen Menschen eine scheinbar leichte und schmerzlose Selbsttötungsmöglichkeit anböten, die nicht an unerträglichen und unheilbaren Krankheiten litten, so die Länder.
In der Vergangenheit hat sich auch der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, gegen die professionelle Vermittlung von Sterbehilfe ausgesprochen. „Wir müssen alle Mittel ausschöpfen, um die Etablierung dieser Organisationen in Deutschland zu verhindern. Wenn wir in dieser Frage nachgeben, werden wir in dieser Gesellschaft in eine ethische Schieflage geraten“, sagte Hoppe. Die Grünen lehnten es ab, kommerzielle Angebote unter Strafe zu stellen. Deren rechtspolitischer Sprecher Jerzy Montag sah darin den Versuch, Menschen an ihrem Lebensende zu entmündigen. SR/kna

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