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Jede Jahreszeit bietet ihre spezifischen medizinischen Risiken: Gleitet man im Winter aus, so droht eine trimalleolare Fraktur, im Nieselregen des Aprils gedeihen Adenoviren, die das Wohlbefinden der oberen Atemwege vermasseln. Insgesamt recht überschaubare Krankheitsbilder, auf die wir Kraft unseres Wissens und Könnens adäquat reagieren können. Aber im Sommer lauern Gefahren, die viel schwieriger einzuschätzen sind. Den Deutschen ergreift die Reiselust; je ferner, desto besser. Neben exotischen Würmern und Protozoen, die er in der Fremde aufpickt, gibt es aber auch nicht-medizinische Risiken, auf die man achten muss.
Während unserer Teamsitzung erkläre ich den Arzthelferinnen diese besonderen Gefahren, die uns auf touristischem Wege heimsuchen können. „Wenn ein Patient anruft und mich notfallmäßig sprechen will, ist anzunehmen, dass er von weit entfernt anruft, etwa aus dem Nahen oder auch Fernen Osten.“ Ob ich einen Tipp geben könnte, fragen mich die Helferinnen, wann ich beispielsweise bei einer Untersuchung gestört werden dürfte. „Grundsätzlich gilt: Je fordernder und aufgeregter der Patient, desto weiter entfernt weilt er im Urlaub, desto höher sind seine Telefonkosten, desto dringender ist die Störung.“ Wieso denn dieser Patient nicht am Urlaubsort einen Arzt aufsuchen könnte. „Nun, die Kostenübernahme ist nicht immer gewährleistet, in vielen Ländern verlangen Ärzte und Krankenhäuser, dass der Patient in Vorleistung tritt. Das können schnell Beträge in Höhe von mehreren Tausend Euro sein.“ Soso, meinen die Arzthelferinnen, und wie sollen wir erkennen, ob sich nun dieser Patient in einem gesundheitlich nichtversicherten Land befindet? „Nun, das wird er euch wahrscheinlich nicht sagen, es wäre ihm zu peinlich zuzugeben, dass er für seine Gesundheit keinen Cent mehr übrig hat. Also, wenn der Patient aus einem Land anruft, das ihr nicht sofort der Europäischen Union zuordnen könnt, sagen wir mal Katar oder Myanmar, ist allerhöchste Alarmstufe geboten!“ Was denn passieren würde, wenn sie nicht direkt durchstellen würden. „Er würde nach seiner Rückkehr versuchen, bei allen Bekannten, der Krankenkasse und Kollegen, sogar der Ärztekammer meinen Ruf zu ruinieren.“ Das verstehen sie nicht, meinen meine Helferinnen, wieso ist denn ein Auslandsaufenthalt ein besonderer Notfall, der sogar eine Rufschädigung rechtfertigt? Ich gemahne zum Verständnis. „Unsere Patienten haben nicht mehr so viel Geld, deswegen ist im Urlaub halt nichts mehr für die Gesundheit drin. Sie sind es gewohnt, in Deutschland alles und jederzeit kostenfrei mit höchster Qualität zu bekommen. Das wollen sie von ihrem Doktor auch haben, wenn sie im Ausland sind. Ihr müsst das quasi als Belastungstest ansehen.“
Also, wenn das so ist, meinen die Helferinnen, dann wäre es doch gar nicht peinlich, ins Ausland zu gehen und einen Haufen Geld für das zu verdienen, was man hier kostenfrei bekommt, oder?!
Führt mich nicht in Versuchung.
Dr. med. Thomas Böhmeke
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