ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2006Stand der Vorbereitungen in Europa

MEDIZINREPORT

Stand der Vorbereitungen in Europa

Zylka-Menhorn, Vera

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Auf der Suche nach einem wirksamen Impfstoff gegen das H5N1-Virus verfolgen die Hersteller unterschiedliche Ansätze, wobei ein breiter Schutz sowie eine möglichst hohe Impfstoff-Menge wichtige Ziele sind. So hat zum Beispiel GlaxoSmithKline (GSK) in Deutschland und Belgien zwei klinische Studien mit zwei Impfstoff-Kandidaten aus inaktivierten H5N1-Viren gestartet. Die Teilnehmer (jeweils 400 gesunde Probanden) erhalten zwei Impfungen im Abstand von circa drei Wochen in unterschiedlichen Wirkstoffkonzentrationen. Vorläufige Ergebnisse beider Studien werden im dritten Quartal erwartet.
Ein Vakzinekandidat, der in Deutschland getestet wird, enthält zur Verbesserung der Immunantwort ein Adjuvans auf Aluminium-Basis. Hierbei handelt es sich um einen Impfstoff der „1. Generation“, der lediglich gegen einen Virusstamm schützt. Diese Vakzine ist daher im Falle einer Pandemie nur wirksam, wenn sie Bestandteile des auslösenden Virusstamms enthält. Diese Studie basiert auf dem im Dezember 2005 bei der Europäischen Zulassungsbehörde eingereichten Antrag für einen Pandemie-Prototyp-Impfstoff.
Dieser Antrag, der die Bewertung und Genehmigung auf der Grundlage eines Musterimpfstoffes („Mock-up“-Impfstoffes) noch vor Ausbruch der Pandemie ermöglicht, wurde in Form eines „Kerndossiers“ vorgelegt. Sobald der eigentliche Virusstamm isoliert worden ist, wird nur noch ein ergänzender Antrag eingereicht. Auf diese Weise soll die Produktion eines Impfstoffes beschleunigt werden. Nach derzeitiger Einschätzung werden im ungünstigen Fall 22 Wochen benötigt, bis die ersten Impfstoffdosen ausgeliefert werden können. Dabei dauert die Herstellung des „Saatvirus“ mit den passenden Virusbestandteilen zehn Wochen und die Produktionsvorbereitung zwölf Wochen. Im günstigsten Fall vergehen nach dem derzeitigen Konzept zehn Wochen. Muster-Impfstoffe werden derzeit von allen Herstellern entwickelt und – zum Beispiel von Chiron Vaccines – in klinischen Studien erprobt.
Die zweite, internationale GSK-Studie wird von Belgien aus koordiniert. Sie prüft einen Kandidat-Impfstoff, der ein neuartiges Adjuvans enthält. Diese Vakzine der „2. Generation“ schützen gegen mehrere Virussubtypen und werden daher umgangssprachlich als „Breitbandimpfstoffe“ bezeichnet. Sie können vor Auftreten einer Pandemie produziert und eventuell auch angewendet werden, wenn der auslösende Virussubtyp mit ausreichender Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden kann.
Impfstoffe der „2. Generation“, an der derzeit mehrere Hersteller arbeiten, können sowohl auf bebrüteten Hühnereiern als auch auf Zellkulturen hergestellt werden. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, da für die Produktion eines Impfstoffs auf Basis von Hühnereiern im Fall einer Pandemie mit dem Vogelgrippe-Virus nicht genügend Eier zur Verfügung stehen würden. zyl

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema