ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2006Intensivmedizin: Kernproblem nicht identifiziert
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LNSLNS Herr Kollege Boldt setzt sich mit dem Thema „Rationierung in der Intensivmedizin“ auseinander, ohne das Kernproblem zu identifizieren. Rationierung, Rationalisierung, Öko­nomi­sierung, Synergieeffekte, Umstrukturierung – all diese Worthülsen sind Ausreden für die eigentliche Ursache des Dilemmas, nämlich der mangelhaften Zivilcourage der deutschen Ärzteschaft, sich im Sinne des immer noch gültigen hippokratischen Eids für die ihr anvertrauten Patienten einzusetzen. Therapie wird auf dieser Basis eben nicht primär durch Ökonomen (also den Krankenhausgeschäftsführer oder Krankenkassenvorstand) festgelegt, sondern durch den behandelnden Arzt – auch wenn politische Totengräber unseres Gesundheitssystems wie Frau Schmidt oder Herr Lauterbach dieses gerne anders hätten. Herr Kollege Boldt irrt ebenso, wenn er vorschlägt, dass „die Gesellschaft sich damit auseinder setzen muss, welche medizinische Versorgung Patienten in einer kritischen Grenzsituation erhalten sollen“. Diese Frage kann nur der behandelnde Arzt zusammen mit dem von ihm behandelten Patienten oder Angehörigen beantworten. Nebenbei: Die Frage nach den finanziellen Ressourcen in einem der reichsten Länder Europas zu stellen, scheint mit Blick auf z. B. Länder der Dritten Welt ziemlich absurd. Die ethischen und ökonomischen Prinzipien des in dem Artikel erwähnten Herrn Münch konzentrieren sich im Wesentlichen auf das Absenken der medizinischen und nichtmedizinischen Personalkosten, sodass dessen Aussagen innerhalb einer medizinisch zu führenden Debatte die Wertigkeit von abstehenden Ohren haben. Die deutsche Ärzteschaft, und nicht die Gesellschaft oder die Politik, muss die Diskussion nach der so genannten „Ressourcen-Allokation“ führen und gestalten; wir müssen die richtigen Antworten geben und nicht darum bitten, die falschen zu bekommen! . . .
Prof. Dr. Hans-Bernd Hopf,
Asklepios Kliniken Langen-Seligenstadt, Röntgenstraße 20, 63225 Langen
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