ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2006Frankfurt und Maastricht: Die Latte hoch gelegt

FEUILLETON

Frankfurt und Maastricht: Die Latte hoch gelegt

Jaeschke, Helmut

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high&low – Fine Art Fair Frankfurt: Galerie Voss/Düsseldorf mit einem Diptychon von Frank Bauer Foto: Gerda Jaeschke
high&low – Fine Art Fair Frankfurt: Galerie Voss/Düsseldorf mit einem Diptychon von Frank Bauer Foto: Gerda Jaeschke
Die TEFAF in Maastricht behauptet auf dem Gebiet der Altmeisterkunst
unangefochten ihre führende Position.

Es ist zweifellos ungerecht, diese beiden Messen zu vergleichen, die fast zeitgleich im März stattfinden. Da ist zum einen die seit 19 Jahren fest etablierte Altmeistermesse mit zunehmend größerem Anteil an moderner und zeitgenössischer Kunst in Maastricht und andererseits die Frankfurter Kunstmesse, die seit Jahren kränkelt.
Doch der neue umtriebige Leiter Michael Neff hat schon im Vorfeld die Latte hoch gelegt, indem er zwar nicht mit Maastricht, aber doch mit der Art Basel gleichziehen und gar die Art Cologne vom Thron stoßen möchte. Dann muss er sich aber auch gefallen lassen, dass man ihn nach diesen Maßstäben misst. Und da drängt sich vom Frankfurter Messeslogan „high&low“ doch eher das „low“ für die Veranstaltung auf. Zwar sind einige Pluspunkte zu vermelden, so ist der Gesamteindruck erfrischend unkonventionell. Es fehlt die übliche strenge Kojeneinteilung. Das häufig kleinkarierte wohnzimmerhafte Ambiente vieler Kunstmessen ist einer spannenden Ausstellungsarchitektur gewichen, die mit Modulen arbeitet. Naturgemäß kommen in diesem Umfeld große Installationen besonders gut zur Geltung wie die von Jonathan Meese und Tal R oder die Serie mit den acht Matruschkas von Tatjana Doll. Aber sind diese den berühmten russischen Schachtelpuppen nachempfundenen mit Lackfarbe bemalten Figuren mehr als ein Hingucker für den Augenblick?
Dr. Michael Peters, der Geschäftsführer der Messe Frankfurt zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis der Galerienauswahl. Es sei gelungen, die „crème de la crème“ der Galerien aus dem europäischen Raum nach Frankfurt zu holen, wobei aus der Bewerberzahl von 230 Galerien lediglich 48 ausgewählt wurden. Da Vorgabe der Messeleitung die „One Artist Show“ war, sind nicht viel mehr als 50 Künstlerinnen und Künstler vertreten. Das ist für eine Messe, für die man möglicherweise mehrere Stunden Anfahrtszeit benötigt, recht wenig. Etliche Besucher monierten, sie seien in einer halben Stunde „durch gewesen“. Und tatsächlich, vieles hat man schon oft gesehen (Frank Bauer, Bernard Frize, Imi Knoebel, Katharina Sieverding), vieles ist belanglos, und nur weniges, das neu ist, ist auch interessant, wie die computergenerierten Landschaften von Studer/van den Berg. Die Wiederbegegnung mit Arbeiten des früh verstorbenen Uwe Lausen auf dieser Messe kommt einem Aha-Erlebnis gleich. Die 40 Jahre alten, noch immer verstörenden, aber formal stimmigen Bilder, stellen die meisten der „provokativen“ Arbeiten der jungen Künstler in den Schatten.
Wenn man schon bei den heute so beliebten Anglizismen bleiben will, so gebührt der TEFAF (The European Fine Art Fair) allemal das Prädikat „high“. Wie jedes Jahr fasziniert die absolute Qualität der Exponate und die stilvolle Präsentation. Pünktlich zum Rembrandtjahr werden zwei Gemälde des Meisters angeboten, zu Preisen die allerdings exorbitant sind und dem in Ar-
mut gestorbenen Künstler gut getan hätten. Der „Jüngling mit rotem Wams“ ist bei Noortman Master für 27 Millionen Euro zu finden und
die durchgeistigte Darstellung des Apostels Jakobus, datiert 1661, bietet die New Yorker Sander-O-Reilly-Handlung für 45 Millionen Dollar an. Ob diese Gemälde einen potenten Käufer fanden, ist nicht bekannt, dagegen konnte Bernheimer-Colnaghi das Ölgemälde „Christus – die Kinder segnend“ von Lucas Cranach dem Älteren für einen siebenstelligen Euro-Betrag ver-
kaufen. Reich bestückt ist wie immer der Sektor der Antiquitäten. Neben europäischen Möbeln, wie einer intarsierten Roentgen-Schreibkommode bei Mühlbauer werden auffallend viele klassische chinesische Möbel und chinesisches Kunsthandwerk angeboten, wohl in Erwartung einer zunehmenden Nachfrage aus den fernöstlichen Wirtschaftsboomländern. Die Galerie Laue aus München zeigt Bernsteinobjekte von außergewöhnlicher Kunstfertigkeit aus dem 16. bis 19. Jahrhundert mit dem einzigen existierenden Stück aus dem Bernsteinzimmer Friedrichs I.
Ausbau der modernen Abteilung
Ganz bewusst wird auf der TEFAF der Ausbau der modernen Abteilung gefördert, und so sind erstmalig so wichtige Galerien wie Jan Krugier mit raren Bildern von Picasso und Jawlensky und Wildenstein/New York mit frühen Werken von Mondrian und Objekten von Judd dabei. Magritte wird gleich von drei Galerien angeboten. Aber auch die Zeitgenossen wissen zu überzeugen. So hat die Galerie Werner/Köln ihre Mannschaft (Baselitz, Lüpertz, Penck) aufgefahren, zeigt aber auch Highlights der klassischen Moderne.
Als Resümee bleibt festzuhalten: Die TEFAF in Maastricht behauptet auf dem Gebiet der Altmeisterkunst unangefochten ihre führende Position, und auch auf dem Gebiet der Kunst der Moderne beginnt sie eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die wichtigsten Messen weltweit zu werden.
Helmut Jaeschke
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