ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2006HIV-Infektion: Neuer Proteasehemmer überwindet Resistenzen

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HIV-Infektion: Neuer Proteasehemmer überwindet Resistenzen

Warpakowski, Andrea

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LNSLNS Der Fortschritt in der HIV-Therapie ist enorm: Mehr als 20 verschiedene antiretrovirale Medikamente sind zugelassen, und mit den modernen Therapieregimen ist die Infektion zu einer behandelbaren chronischen Erkrankung geworden. Die Rate an virologischem Versagen wegen Resistenzen ist zwar in den letzten Jahren rückläufig, aber es gibt nach wie vor multipel vorbehandelte Patienten mit HI-Viren, die gegen fast alle Präparate resistent sind. Für diese Patienten werden dringend neue Wirkstoffe benötigt.
Alle vier Dosierungen waren Kontrollsubstanzen überlegen
Eine Option für vorbehandelte Patienten könnte der neue Proteasehemmer TMC114 sein, der in vitro hoch aktiv gegen Wildtyp-Viren, aber auch gegen Viren mit Resistenzen gegen Proteaseinhibitoren (PI) ist. In den beiden Phase-II-Studien POWER 1 und 2 sei TMC114 bei stark vorbehandelten Patienten den bisher verfügbaren PI signifikant überlegen gewesen, berichtete Dr. Albrecht Stoehr (Hamburg) in München. In die beiden identischen Studien wurden Patienten eingeschlossen, die bereits mit den drei Medikamentenklassen nukleosidaler und nicht-nukleosidaler Reversen-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI und NNRTI) sowie Proteaseinhibitoren vorbehandelt waren. Die 278 Patienten der Studie POWER 2 (USA und Argentinien) waren stärker vorbehandelt und ihre HIV-Erkrankung weiter fortgeschritten als die der 318 Patienten aus POWER 1 (Europa, Australien und Kanada).
Die Patienten erhielten randomisiert vier verschiedene Dosierungen TMC114 geboostert mit Ritonavir TMC114/r (400/100 mg QD, 800/100 mg QD, 400/100 mg BID oder 600/100 mg BID) oder auf der Grundlage von Resistenztests einen oder zwei vom Prüfarzt ausgesuchte geboostete PI (CPI), jeweils kombiniert mit einer optimierten Basis („backbone“) aus mindestens zwei NRTIs mit und ohne den Fusionshemmer T20.
Nach 24 Wochen Behandlung ergab die Zwischenauswertung, dass alle vier Dosierungen von TMC114 den Kontroll-PI überlegen waren. Entsprechend den unterschiedlichen Patientenpopulationen waren die Ergebnisse von POWER 1 besser als von POWER 2. Virologisch und immunologisch am wirksamsten war zweimal täglich 600/100 mg TMC114:
In POWER 1 erreichten damit 53 Prozent der Patienten eine Viruslast unter 50 HIV-RNA-Kopien/ml Blut und die CD4-Zellzahl stieg im Durchschnitt um 124 Zellen/µl, mit den Kontroll-PI waren es 18 Prozent unter 50 Kopien und 20 CD4-Zellen (Power 2: 39 versus sieben Prozent und 75 versus zwölf CD4-Zellen).
Wegen virologischen Versagens mussten sehr viel weniger Patienten die Therapie mit TMC114 abbrechen als mit den Kontroll-PI (POWER 1: vier versus 54 und POWER 2: neun versus 47). Stoehr hob hervor, dass selbst Patienten, die Viren mit drei und mehr Resistenzmutationen gegen PI aufwiesen, unter TMC114 600/100 mg eine sehr viel höhere Chance hatten, eine nicht mehr nachweisbare Viruslast zu erreichen (POWER 1: 59 versus neun Prozent; POWER 2: 35 versus sieben Prozent). Von der zusätzlichen Gabe mit T20 als zweite neue und noch aktive Substanz profitierten laut Stoehr vor allem die stärker vorbehandelten Patienten aus POWER 2: Im TMC114-Arm ohne T20 lag die Viruslast bei 30 Prozent unter 50 Kopien, und im TCM114-Arm mit T20 bei 64 Prozent in POWER 1 waren es 56 und 63 Prozent.
Aufgrund der Ergebnisse dieser beiden Phase-II-Studien konnte in den USA und in Europa die beschleunigte Zulassung für die Therapie vorbehandelter Patienten mit der Dosierung TMC114/r 600/100 mg zweimal täglich beantragt werden. Das Expanded-Access-Programm für Patienten, die wegen virologischem Versagen oder Nebenwirkungen nur noch begrenzte Behandlungsoptionen haben, startet demnächst. Phase-III-Studien mit bisher nicht behandelten Patienten laufen bereits mit der Dosierung einmal täglich 800/100 mg. Andrea Warpakowski

Satellitensymposium „TMC114 – Neue Horizonte der PI-Therapie“ im Rahmen der Münchner Aids-Tage, Veranstalter: Tibotec
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