ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2006zu Emerging Markets: Wendepunkt

VARIA: Schlusspunkt

zu Emerging Markets: Wendepunkt

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Letztens habe ich auf der Fahrt nach Frankfurt am Main-Flughafen vor mich hin gedöst und bin fast ein Opfer der superschnellen Technik geworden. Grade so halb eingenickt, zack, da steht der ICE bereits, und ich bekomme gerade noch mit, dass wir schon im Bahnhof stehen. Jetzt aber flugs den Mantel gepackt und schnell raus, die Leute beinahe noch umgerempelt, die bereits zugestiegen waren, fast hätte ich den Ausstieg verpasst.
Investoren, die in Schwellenländern investiert sind, vornehm heißen die ja Emerging Markets, könnte ähn-liches widerfahren, wenn sie nicht aufpassen. Die Entwicklung vieler Emerging-Market-Fonds gleicht ja der Fahrt in einem Hochgeschwindigkeitszug, und es kann auch da durchaus passieren, dass, wer vor sich hinschläft und nicht aufpasst, den Absprung und den Anschlusszug verpasst, weil durch das Nadelöhr – alle wollen raus, manche noch rein und das zur gleichen Zeit – plötzlich gar nichts mehr geht. Weit und breit kein Zugbegleiter der sagt, Vorsicht, der Zug kommt gleich zum Stehen!
Wir reden gerade in diesem Anlagesegment über keine Kleinigkeit. In den vergangenen Jahren erreichten die Kapitalzuflüsse privater Anleger in die Schwellenländer exorbitante Dimensionen, alleine 2005 floss die Rekordsumme von 400 Milliarden US-Dollar in diese Regionen. Gelohnt hat sich das für die Anleger bislang durchaus, und viele Emerging-Market-Fonds sitzen (noch) auf beträchtlichen Kursgewinnen.
Die Investitionen waren durchaus kein Glücksspiel, sondern in der Regel wohlbegründet. Viele dieser Länder erzielten bei der Inflationsbekämpfung beträchtliche Fortschritte und bauten auch ihre immensen Schuldenberge ab, ökonomisch machten die Engagements also durchaus Sinn.
Dennoch, wenn es nur das gewesen wäre, müsste die Trendwende schon früher gekommen sein. Aber zu viel vagabundierendes Geld hat manche die ersten Warnsignale übersehen lassen, und solange die Zinsen extrem niedrig waren, konnte mit „sicheren Anlagen“ in Industrieländern nicht so viel Geld verdient werden.
Die Tatsache, dass das globale Finanzsystem mit Liquidität überschwemmt wurde und auch, dass es lange, zu lange gut gelaufen ist, ließ die Anleger verführerisch sorglos werden. Gerade in den letzten Tagen fragen mich viele Leser nach ihren Emerging-Market-Fonds, sie hätten ziemliche Kursgewinne angesammelt und die Rallye würde doch wohl eine Weile gut gehen.
Nein, das wird sie keineswegs. Die Rahmenbedingungen haben sich grundsätzlich geändert. Die Zentralbanken machen langsam ernst damit, die Schleusen billigen Geldes zu schließen. Und dann wird gerade aus Schwellenländern zuallererst das Kapital abgezogen. Höchste Zeit also, aus dem fahrenden Zug auszusteigen.
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