ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2006Vergütung: Belegärzte sollen eigenes EBM-Kapitel bekommen

POLITIK

Vergütung: Belegärzte sollen eigenes EBM-Kapitel bekommen

Dtsch Arztebl 2006; 103(16): A-1048 / B-888 / C-857

Rabbata, Samir

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Foto: DAK/Scholz
Foto: DAK/Scholz
Die KBV will das Belegarztwesen im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung stärken. Doch das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium hat andere Pläne.

Belegärzte sollen künftig leistungsgerechter bezahlt werden. Dafür will sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in Verhandlungen mit den Kostenträgern einsetzen. „Bei der Ausarbeitung des EBM 2000plus wurde das Belegarztwesen stiefmütterlich behandelt. Das wollen wir nun korrigieren“, sagte KBV-Vorstandsmitglied Ulrich Weigeldt am 12. April in Berlin. Weigeldt kündigte an, die Gebührenordnung der niedergelassenen Ärzte werde zum 1. Januar 2007 um ein eigenständiges Belegarztkapitel ergänzt. Nach Angaben des Honorar-Dezernenten der KBV, Dr. med. Bernhard Rochell, haben die Kostenträger bereits ihre grundsätzliche Zustimmung erklärt. Im Sommer trete man in konkrete Verhandlungen mit den Kassen ein.
Zwischen EBM und DRGs
eingeklemmt
Belegärzte, Belegkliniken und Belegabteilungen hatten zuvor über existenzbedrohende Einnahmeverluste geklagt. Der Grund: Etliche Daten zur Kalkulation belegärztlicher Leistungen im neuen EBM stammten aus dem ambulanten Bereich. In der Folge bewerteten die Selbstverwaltungspartner aufwendige Leistungen und Kombinationseingriffe von Belegärzten zu gering. Unberücksichtigt blieben zudem die Abschaffung des AiP-Status in den Assistenzbewertungen für operative Leistungen sowie die finanziellen Konsequenzen des EuGH-Urteils zur Bewertung ärztlicher Bereitschaftsdienste.
Zusätzlich verschärft wurde die Situation durch die Fallpauschalenkataloge der Jahre 2005 und 2006. Aus ihnen ergibt sich, dass die Fallpauschalen der Belegärzte im Verhältnis zu den Hauptabteilungspauschalen um bis zu 40 Prozent geringer bewertet wurden. 2004 lag der Unterschied noch bei 25 Prozent.
„Die Belegärzte fühlen sich zu Recht zwischen den Mühlsteinen EBM und DRGs eingeklemmt“, sagt KBV-Experte Rochell. Auch wenn Übergangsregelungen die Situation für die betroffenen Ärzte abfedern sollen. Unter anderem habe man erreicht, dass komplexe Eingriffe mit geringeren Abschlägen belegt werden. Außerdem sei die für Belegärzte nachteilige Vorschrift entfallen, nach der Eingriffe mit einer Dauer von mehr als drei Stunden und 30 Minuten nicht mehr vergütet werden.
Dr. med. Klaus Schalkhäuser, Vorsitzender des Bundesverbandes der Belegärzte (BdB), berichtet dennoch von einer angespannten wirtschaftlichen Lage vieler Kollegen: In Niedersachsen beklagten manche Belegärzte seit Einführung des neuen EBM Verluste von bis zu 40 Prozent. Die Existenz des historisch gewachsenen und kostengünstigen Belegarztsystems stehe mittlerweile zur Disposition, warnt Schalkhäuser. Arbeitsplätze in Praxen und Krankenhäusern seien akut gefährdet.
Deshalb sollen die im neuen EBM-Kapitel für Belegärzte aufgeführten Leistungen nach dem Willen der KBV soweit wie möglich pauschaliert werden. Die Leistungsbeschreibungen müssten sich abgrenzen von denen ambulanter Operationen und stationsersetzender Eingriffe, fordert Weigeldt. Die KBV strebt eine mit den diagnosebezogenen Fallpauschalen für Krankenhäuser kompatible Lösung an. Die Vergütung dieser Leistungen soll nicht länger in Punkten, sondern direkt in Euro erfolgen.
Ob sich die Ärzteschaft mit ihren Forderungen gegenüber den Krankenkassen durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Doch selbst wenn es zu einer Einigung kommt, ist fraglich, wie lange diese Bestand haben wird. Bereits im Koalitionsvertrag sprachen sich Union und SPD dafür aus, belegärztliche Leistungen künftig dem DRG-System zuzuordnen. Deshalb sei „die belegärztliche Vergütung künftig nicht mehr aus der vertragsärztlichen Gesamtvergütung zu erbringen“, bekräftigte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium Ende März in einem Schreiben an BdB-Chef Schalkhäuser.
Der BdB lehnt derlei Bestrebungen der Politik ab und setzt auf einen Verbleib des Belegarztwesens in der vertragsärztlichen Versorgung. „Wir treten für eine Weiterentwicklung des Belegarztwesens mit der KBV ein“, stellte Schalkhäuser klar. Gleichzeitig räumte er jedoch ein, dass viele seiner Kollegen ihre Zukunft eher als Teil der stationären Versorgung sehen. Dahinter stecke die trügerische Hoffnung, ihnen würde dann der in den Fallpauschalen ermittelte Arztkostenanteil zufließen. „Doch darauf würden sich die Kassen nicht einlassen, weil dies für sie einen Kostenschub bedeuten würde“, warnt Schalkhäuser. Zudem sei dann die Freiberuflichkeit der Belegärzte gefährdet. Samir Rabbata
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