ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2006Albanien: Aufbau mit Erfolg

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Albanien: Aufbau mit Erfolg

Katelhön, Susann

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LNSLNS Die albanische Ärztekammer benötigt finanzielle Unterstützung, um ihre Ärzte auf EU-Standard zu bringen.

Sucht die Nähe zur EU: Die Universität von Tirana bemüht sich um Maßnahmen zur Erleichterung der Mobilität. Foto: epd
Sucht die Nähe zur EU: Die Universität von Tirana bemüht sich um Maßnahmen zur Erleichterung der Mobilität. Foto: epd
Die albanischen Ärzte müssen sich erst daran gewöhnen, dass sie bestimmte Anforderungen erfüllen müssen, um die Erlaubnis zu erhalten, als Arzt tätig zu sein“, berichtet Dr. Shagir Krasta, Generalsekretär der albanischen Ärztekammer anlässlich des Symposiums der mittel- und osteuropäischen Ärztekammern in Tirana. Was in Deutschland selbstverständlich ist, hat in Albanien revolutionären Charakter. Erstmals werden albanische Ärzte erst nach Überprüfung der Erfüllung von Mindestanforderungen, Vorlage des beruflichen Führungszeugnisses und Konsultation des ärztlichen Registers offiziell zur ärztlichen Tätigkeit zugelassen. Die Zuständigkeit dafür wurde der albanischen Ärztekammer erst vor ein paar Monaten vom Ge­sund­heits­mi­nis­terium übertragen. Für den Präsidenten der albanischen Ärztekammer, Dr. Din Abazaj, ein großer Erfolg und eine Bestätigung seines Engagements für die ärztliche Selbstverwaltung in Albanien.
Erst im Jahr 2000 wurde die albanische Ärztekammer als Körperschaft öffentlichen Rechts mit autonomem Satzungsrecht gegründet. Ähnlich wie in Deutschland finanziert sie sich ausschließlich aus den Beiträgen der knapp 6 000 Pflichtmitglieder. Trotz der geringen Mittel – ein Arzt zahlt einen jährlichen Beitrag von umgerechnet 12 US-Dollar – schaffte es die albanische Ärztekammer, professionelle Standards im Sinne einer Berufsordnung zu erarbeiten. Auch die regionale Registrierung von Ärzten ist inklusive der Erstellung eines nationalen Registers bereits abgeschlossen. „Wir wollen uns aber nicht auf unseren bisherigen Erfolgen ausruhen. Weitere Projekte warten, für die aber leider das Geld fehlt. Dabei sind wir auf unsere Kollegen aus den Nachbarländern angewiesen“, sagt Generalsekretär Krasta. So ist das nächste große Ziel die Ausarbeitung und Implementierung einer strukturierten Fortbildung.
„Die Ärztekammern stehen vor der Herausforderung, ihre Fortbildung den veränderten Anforderungen der Gesellschaft anzupassen“, betont auch Dr. med. Otmar Kloiber, Generalsekretär des Weltärztebundes. „Patienten sind nicht mehr mit ein paar Verschreibungen einverstanden, sondern wollen aktiv in medizinische Entscheidungen eingebunden werden.“ Veränderungen im Arzt-Patienten-Verhältnis und die allgemeine Verfügbarkeit medizinischer Informationen machten einen radikalen Wechsel von einer elitebasierten, vertikalen Fortbildung zu einer partnerorientierten, horizontalen Fortbildung unverzichtbar.
Doch die albanische Ärztekammer stellt sich nicht nur den internen Herausforderungen. Durch die intensiven Kontakte zu westlichen Ärztekammern über die letzten zehn Jahre sind die Vertreter der albanischen Ärzteschaft gut in die fachpolitischen Themen der Europäischen Union eingearbeitet. So wird aus der Medizinischen Fakultät Tirana berichtet, dass die Einführung der gegenseitigen Anerkennung von Kreditpunkten (European Credit Transfer System), die Erstellung eines Diplomzusatzes sowie weitere Maßnahmen zur Erleichterung der Mobilität entsprechend der Bologna-Deklaration beschlossen wurden. Ebenso wie die Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin in Deutschland lehnt auch die Medizinische Fakultät der Universität Tirana die Umsetzung eines zweistufigen Systems mit einem undergraduate(Bachelor)- und einem graduate(Master)-Abschluss ab. Die Teilnehmer des Symposiums der mittel- und osteuropäischen Ärztekammern bekräftigten diese Haltung mit einem Memorandum zur Bologna-Deklaration. Darin wird zwar die Initiative der Bildungsminister zur Erleichterung der Migration von Studierenden und Lehrenden befürwortet, der Umsetzung des Medizinstudiums in ein zweizyklisches System jedoch eine deutliche Absage erteilt.
„Mit der erfolgreichen Ausrichtung dieser Konferenz hat die albanische Ärztekammer ihre hohe Professionalität unter Beweis gestellt“, resümierte Dr. med. Cornelia Goesmann in Tirana. Die Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) leitete das diesjährige Treffen der mittel- und osteuropäischen Ärztekammern, das auf Initiative und unter Beteiligung der BÄK einmal im Jahr stattfindet. „Es ist beeindruckend, was innerhalb der letzten Jahre trotz der geringen finanziellen Mittel geleistet worden ist. Um weitere Reformen angehen zu können, brauchen unsere albanischen Kollegen aber nicht nur ideelle, sondern vor allem konkrete finanzielle Unterstützung.“ Diskutiert wird derzeit, welche der Lan­des­ärz­te­kam­mern eine Partnerschaft mit den albanischen Kollegen eingehen könnte. Für die Integration der Ärzteschaft Albaniens in die Europäische Union wäre dies ein wichtiger Schritt. Dr. med. Susann Katelhön
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