ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2006Kinderarzt Karl Leven. Lebensspuren – Todesspur

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Kinderarzt Karl Leven. Lebensspuren – Todesspur

Johannsen, Lorenz Peter

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LNSLNS Jüdische Ärzte: Ein deutscher Lebensweg
Lorenz Peter Johannsen: Kinderarzt Karl Leven. Lebensspuren – Todesspur. Reihe: Jüdische Memoiren, Band 13, Hentrich & Hentrich, Teetz, 2005, 354 Seiten, 15 Abbildungen, gebunden, 24 €
Mit dem Sonderzug DA 22 wurden der Dürener Kinderarzt Dr. med. Karl Leven und seine Familie am 15. Juni 1942 in das Vernichtungslager Sobibor in Polen deportiert. Wahrscheinlich wurde die jüdische Familie direkt nach ihrer Ankunft dort ermordet. Präzisere Angaben gibt es nicht mehr; nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes gilt die Familie seitdem als verschollen.
Im Jahr 1995 beginnt der Dürener Kinderarzt Lorenz Peter Johannsen, sich intensiv mit dem Lebensweg seines ehemaligen Berufskollegen zu befassen. Über Jahre hinweg trägt er alle verfügbaren Informationen zur Biografie des am 7. Juni 1895 in Düren geborenen Karl Leven zusammen. Im Zuge seiner Recherchen reist der Autor nach England, Israel und Polen. Er beschränkt sich nicht auf eine biografische Rekonstruktion im engeren Sinne, sondern entscheidet sich für eine kontextuelle Erzählweise, das heißt, die Schilderung von Levens Lebensweg ist eingebettet in die Darstellung der Zeitumstände, Wiedergabe wichtiger Quellentexte sowie eigener Impressionen aus der Zeit der Recherche. Das so Erreichte nennt Johannsen einen Werkstattbericht, womit in der Regel auf etwas Unfertiges hingewiesen werden soll. Dies kann man getrost als Understatement bezeichnen, denn seine Lebensgeschichte des Kinderarztes Karl Leven ist gerade deshalb, weil sie sich dieser Stilmittel bedient, auf dem neuesten Stand biografischer Darstellung. Sie erhält dadurch eine Intensität, die zumindest genauso stark nachzuwirken vermag wie steinernes Gedenken an den millionenfachen Mord der Deutschen an den europäischen Juden.
Thomas Gerst
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