ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2006Sri Lanka: Aufbruch nach dem Tsunami

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Sri Lanka: Aufbruch nach dem Tsunami

Kubisch, Bernd

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LNSLNS Die Touristen sind wieder da, und Sri Lanka lächelt wieder. Der größte Teil der Insel wie auch die frühere Königsstadt Kandy waren vom Tsunami am 26. Dezember 2004 ohnehin nicht betroffen. Schulschluss und farbenprächtiger Alltag in der 500 Meter hoch gelegenen Stadt: Zwischen Autokolonnen, Schulbussen, armrudernden Polizisten und Mädchenklassen schreitet eine Nonnengruppe. Die Frauen haben kahl geschorene Schädel und sind auf dem Weg zum „Tempel des Zahns“, in dem ein Zahn des Buddha als Reliquie aufbewahrt wird. Weit leuchten Safran und Orange der Nonnenkutten.
Eine Gruppe von Nonnen ist auf dem Weg zum „Tempel des Zahns“. Foto: Bernd Kubisch
Eine Gruppe von Nonnen ist auf dem Weg zum „Tempel des Zahns“.
Foto: Bernd Kubisch
Ein Urlauberehepaar aus England macht Fotos. „Mit unserer Rundreise in Sri Lanka wollen wir auch die Menschen unterstützen und unsere Solidarität zeigen“, sagt Vernon Robert aus der Grafschaft Essex. „Tourismus ist die beste Spende. Er bringt Arbeit, Einkommen und Selbstbewusstsein“, sagt Rodney Armstrong, Manager im Mahaweli Reach Hotel am Rande von Kandy.
An diesem Nachmittag sitzen der zwölfjährige Upale und sein gleichaltriger Freund Wagera in ihren orangefarbenen Mönchsgewändern auf der kleinen Mauer der Bahirawakanda-Anlage mit einer fast 30 Meter hohen weißen Buddhafigur. Die beiden Jungen, die gerade ihre Mönchsausbildung beginnen, genießen den spektakulären Blick. Die benachbarten Berge sind „Teeland“ mit riesigen Plantagen. Unten liegen die Häuser, Tempel und Gewässer von Kandy. Ausländer zahlen bei Sehenswürdigkeiten wie dieser Tempelanlage deutlich mehr Eintrittsgeld als Einheimische. „Das ist okay“, sagt Upale. Er fügt lächelnd hinzu: „Wir sind ein armes Land. Ihr habt mehr Geld. Das sehe ich schon an der Kleidung.“
Autofahrt durch Hügelland und Täler Richtung Südwest: Teeplantagen, Reisfelder, Palmenhaine, Gewürzgärten, Kautschuk-, Ananas- und Bananenplantagen säumen die Route. Frauen in farbigen Saris winken, gehen ein paar Schritte auf die Fahrbahn und schwenken Körbe mit Obst und Cashew-Nüssen. Für 120 Rupies (einen Euro) wandern zwei große Ananas und ein Dutzend Bananen in den Einkaufskorb.
In Pinnawela hebt ein Polizist den Arm. Autos, Radfahrer und Karren halten. Ein Tor öffnet sich, eine Elefantenherde schreitet langsam über die Dorfstraße Richtung Fluss. Gut 70 Dickhäuter prusten und schnauben im Wasser. Im großen Waisenhaus mit viel Auslauf leben Elefanten, deren Mutter früh starb oder die in Not gerieten. Tierarzt Dr. Chandana Rajapaksa freut sich, dass „wir heute auch wieder mehr ausländische Besucher haben und unsere Kasse kräftiger klingelt“. Der Unterhalt der Tiere,
die Unmengen Palmenblätter, Äste, Bambus und Bananen verschlingen, kostet viel.
Eine Zugfahrt von Colombo in den Süden entlang der mit Palmen besäumten Strände verdeutlicht die Kontraste zwischen Luxus und Armut, als die Wassermassen kamen. Vom Mount Lavinia Hotel winkt ein Gast mit einem Cocktail in der Hand den Zuginsassen zu. In der 5-Sterne-Herberge wenige Kilometer von Colombo entfernt, wo der Strand besonders fein und weiß ist, richteten die Wassermassen fast keine Schäden an. Küchenchef Ralf Vogt aus dem Raum Köln und sein Team haben an diesem Tag alle Hände voll zu tun: „Allein die Gäste von sechs Hochzeiten müssen wir heute beköstigen.“
Diesellok und Waggons fahren durch Küstendörfer. In manchen mauern, sägen und hämmern noch Arbeiter. Vieles ist neu gebaut, anderes mit Steinen, Wellblech und Flechtwerk repariert. In den Badeorten sind zerstörte Hotels in alter Schönheit wieder entstanden. Fast die gesamte touristische Infrastruktur ist wieder intakt. „Hinzu kommen zusätzliche Hotels und Ferienanlagen“, sagt Tourismusminister Anura Bandaranaike. „Ausländische Inve-storen haben Vertrauen in uns.“ Deutsche Touristen haben einen guten Ruf in Sri Lanka: „Die haben uns nicht im Stich gelassen“, sagt Tourismusdirektor Udaya Nanayakkara. Der Fremdenverkehr habe sich recht gut erholt, auch wenn noch viel zu tun bleibe. Bernd Kubisch

Reise-Tipps/Sicherheit: Der ethnische Konflikt zwischen Singhalesen mit 74 Prozent Anteil an der Bevölkerung und Tamilen, die hauptsächlich im Norden wohnen, schwelt trotz offiziell vereinbarter Waffenruhe weiter. Diese wurde in letzter Zeit häufiger verletzt. Ausländer sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes in der Regel nicht das Ziel von Gewalthandlungen. Seit Februar 2006 hat sich die Lage etwas entspannt. Das Auswärtige Amt mahnt zur Vorsicht vor allem bei Reisen in nördliche und östliche Landesteile und schreibt: „Organisierte Gruppenreisen sind unter Sicherheitsaspekten Einzelreisen vorzuziehen.“
Informationen: Fremdenverkehrsamt Sri Lanka, Allerheiligentor 2–4, 60311 Frankfurt/Main, Telefon: 0 69/28 77 34 und 28 82 16, E-Mail: ctbfra@t-online. de, Internet: www.srilankatourism.org; www.destination-asien.de.
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