ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2006Altersgrenze Kassenärzte: Nur als Nothelfer

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Altersgrenze Kassenärzte: Nur als Nothelfer

Dtsch Arztebl 2006; 103(17): A-1105 / B-937 / C-905

Maus, Josef

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LNSLNS Alles soll flexibler, liberaler und freizügiger werden. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt möchte mit dem Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄG) die bislang eher starren Formen der ambulanten ärztlichen Berufsausübung über Bord werfen. Das deckt sich mit den Vorstellungen der Ärzte, und das ist auch gut so.
Kommt das Gesetz durch, können die Vertragsärzte künftig unter anderem unbegrenzt Kollegen anstellen, weitere Praxen an anderen Orten eröffnen oder sich über KV-Grenzen hinweg in Berufsausübungsgemeinschaften zusammenschließen. Auch Teilzulassungen sollen möglich sein, sodass ein Arzt sowohl angestellt im Krankenhaus als auch halbtags in der Praxis arbeiten darf. Bei so viel Freizügigkeit ist kaum zu verstehen, warum die älteren Ärzte auch weiterhin draußen bleiben müssen.
Gerade jetzt würde sich die Chance bieten, politische Fehler der Vergangenheit zu korrigieren – beispielsweise die höchst umstrittene Altersgrenze für Kassenärzte: Wer 68 Jahre alt ist, muss seine Zulassung zurückgeben; wer älter als 55 Jahre ist, bekommt keine Zulassung mehr. Diese Regelung ist inzwischen aufgrund des sich abzeichnenden Ärztemangels völlig sinnentleert.
Die Konsequenzen zieht die Politik indessen nicht. Sie treibt vielmehr ein unwürdiges Spielchen mit den älteren Ärzten. Das VÄG sieht vor, die Altersgrenze auszusetzen, wenn der Zulassungsausschuss einen Planungsbereich als unterversorgt erklärt. Dann werden krampfhaft Ärzte gesucht, dann sind auch die „Alten“ wieder recht. In solchen Gebieten sollen sich künftig auch Ärzte niederlassen können, die älter als 55 Jahre sind, die über 68-Jährigen dürfen bleiben – allerdings nur so lange, bis die Unterversorgung wieder behoben ist.
Ältere Ärzte würden mit einer derartigen Regelung zu Nothelfern auf Zeit degradiert. Wenn aber Ärztemangel droht und Unterversorgung bevorsteht, wenn überall sonst die große Freizügigkeit Einzug halten soll: Warum lässt der Gesetzgeber dann nicht auch die Altersgrenze für Kassenärzte fallen? Sollte es – zynisch genug – „die Sorge um die Patienten“ sein, könnte sehr viel besser eine bewährte Gesetzmäßigkeit des Wettbewerbs greifen: die Abstimmung mit den Füßen. Das ist Freizügigkeit. Josef Maus
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