ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2006Suchterkrankungen: Sinnvolles Case-Management

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Suchterkrankungen: Sinnvolles Case-Management

Bühring, Petra

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LNSLNS Projekt zur Integrierten Versorgung chronisch Suchtkranker
Die Institutsambulanz der Suchtabteilung der Rheinischen Kliniken Bonn bietet für 35 schwer chronisch Suchtkranke seit Juni 2005 eine Case-Management-Betreuung im Rahmen der Integrierten Versorgung (IV) an. Patienten mit schwerer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, häufig mit gleichzeitiger Mehrfachbeeinträchtigung, gelingt es meist nicht, die ambulanten Hilfs- und Behandlungsangebote zu nutzen. „Die Patienten landeten immer wieder im Krankenhaus“, berichtete Ralf Böker von der AOK Bonn bei einem Pressegespräch. Grund genug für die Krankenkassen (AOK Rheinland, BEK, BKK Rheinland, BKK RWE, DAK, IKK Nordrhein und TK), mit den Rheinischen Kliniken nach einem erfolgreichen zweijährigen Pilotprojekt – bereits dabei konnten die Krankenhauskosten um 15 Prozent reduziert werden – einen IV-Vertrag nach §§ 140a ff. SGB V abzuschließen.
Ein Team von vier Case-Managern (ein Arzt und drei Sozialarbeiter) kümmert sich innerhalb der zunächst zweijährigen Betreuungszeit um die ambulante und stationäre Versorgung der Patienten. Der Case-Manager macht bei den freiwillig eingeschriebenen Suchtkranken Hausbesuche, begleitet sie zum Arzt, zu Ämtern und zu Einrichtungen der Suchthilfe. Möglich ist auch, dass die Patienten zeitweise über Nacht in der Rheinischen Landesklinik bleiben können oder diese in Krisenzeiten als Tagesklinik am Wochenende nutzen können. Auch eine betreute Wohngemeinschaft mit fünf Plätzen, die von der Stadt Bonn finanziert wird, steht zur Verfügung. „Durch diese Angebote gelingt es, Notfallsituationen früher zu erkennen und unnötig lange stationäre Aufenthalte zu vermeiden“, erklärte Priv.-Doz. Dr. med. Markus Banger, Chefarzt der Abteilung für Suchterkrankungen und Psychotherapie der Kliniken.
Ein Netzwerkmanagement wird das Projekt wissenschaftlich evaluieren, um entscheiden zu können, ob es auf andere Regionen ausgedehnt werden soll. PB
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