ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2006Ethik in der Altersmedizin
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Altersmedizin
Treffende Analyse ethischer Fragen
Hanfried Helmchen, Siegfried Kanowski, Hans Lauter: Ethik in der Altersmedizin. Mit einem Beitrag zur Pflegeethik von Eva-Maria Neumann. Urban-Taschenbücher, Band 772, Grundriss Gerontologie, Band 22. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 2006, 400 Seiten, kartoniert, 24 €
Angesichts der demographischen Entwicklung gewinnt die Altersmedizin mehr und mehr an Bedeutung. Die Anzahl multimorbider Patienten wächst. Dabei sehen sich Ärzte einerseits zunehmend mit der Frage konfrontiert, ob eine Maximaltherapie auch zu einem Gewinn an Lebensqualität führt. In der Debatte um die Verteilung von Ressourcen werden andererseits Forderungen laut, Leistungen aus Kostengründen an eine Altersgrenze zu koppeln. Geriater halten dem entgegen, nicht das kalendarische, sondern das biologische Alter zähle.
Die Autoren schildern anschaulich die beschriebene Problematik und stellen dar, inwieweit der Arzt in ein ethisches Dilemma gerät, wenn er sich einerseits dem einzelnen Patienten, andererseits der Solidargemeinschaft der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung verpflichtet fühlt und so eine Kosten-Nutzen-Abwägung vornimmt.
In dem Buch werden die Schwierigkeiten analysiert, die sich bei der Definition von Alter und der Abgrenzung des „normalen“ vom pathologischen Altern ergeben. Krank oder alt – eine oftmals nicht einfach zu beantwortende Frage, nicht zuletzt in der Diagnostik von Demenzen. Die WHO-Definition von Gesundheit als Zustand völligen körperlichen, geistigen und seelischen Wohlbefindens ist dabei wenig hilfreich.
Im ersten Teil des Buches werden ausführlich die Rahmenbedingungen der Altersmedizin und theoretische, ethisch-philosophische Grundlagen vermittelt, außerdem das Alter aus anthropologischer Sicht beleuchtet. Der zweite Teil stellt spezielle ethische Problemfelder dar. Das Buch zeigt Lösungswege für konkrete ethische Fragestellungen auf, etwa zum Umgang mit Demenzkranken, Sterbehilfe, Patientenverfügungen und Forschung an alten Menschen. Denn – so die Autoren – auch in der Praxis erfolgen ethische Entscheidungen mittels einer individuellen Abwägung zum Wohle des Kranken. Der dritte Teil des Buches bearbeitet den Bereich Ethik in der Pflege.
Ein gelungenes Buch, dass die komplexe Thematik in einer runden Form analysiert – durchweg lesenswert.
Birgit Hibbeler
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