ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2006Evidenzbasierte Behandlung der Cannabisabhängigkeit: Cannabisabhängigkeit meistens in Kombination mit Alkohol und Nikotin

MEDIZIN: Diskussion

Evidenzbasierte Behandlung der Cannabisabhängigkeit: Cannabisabhängigkeit meistens in Kombination mit Alkohol und Nikotin

Dtsch Arztebl 2006; 103(17): A-1155 / B-977 / C-942

Pajer, Stephan

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LNSLNS Wie man an dem Artikel erkennen kann, sind die Cannabisproblematiken vielfältig. Es bestehen ein großer Wissensbedarf und große Wissenslücken, die durch unhaltbare Mutmaßungen nicht ersetzt werden können. Ebenso zeigt der Beitrag auf, wie ideologisch das Thema in Deutschland noch behaftet ist – falls es denn überhaupt einmal aufgegriffen wird.
Im Hinblick auf einen notwendigen, objektiven Umgang mit der Thematik ist eine undifferenzierte, ideologische Sichtweise, wie sie durch die „dramatisierend skizzierte Lage in Deutschland“ dargestellt wird, unwissenschaftlich und kontraproduktiv. Man schien im Artikel eher bemüht, die „richtungsweisenden Fakten“ unreflektiert als „die Seuche Cannabis“ vermitteln zu wollen.
Cannabis ist nicht vollkommen harmlos, schließlich handelt es sich um eine Droge. Jedoch gehen von Cannabis – gerade im Vergleich zu den sonstigen Drogen sowie zu vielen Dingen des täglichen Lebens – nur geringe Gefahren aus (1).
Ebenfalls ist heute geklärt: „Cannabis hat bei durchschnittlichem Konsum keinen klinisch relevanten Effekt auf irgendwelche Teile des menschlichen Organismus, außer den Lungen.“ (2)
Die neue Mär, Cannabis wäre heute wesentlich potenter als früher und deshalb auch gefährlicher, entbehrt jeder Grundlage und Logik. Zum einen widersprechen die Berichte des Bundeskriminalamtes einer solchen Theorie. Zum anderen hätte eine solche Potenzsteigerung in Bezug auf einen dadurch geminderten Stoffverbrauch und eine damit verringerte Lungenbelastung sogar wohl eher einen positiven Effekt.
Bereits zum „Schutz der Jugend“, entgegen den medizinisch-wissenschaftlichen Empfehlungen, wurde Cannabis ehemals in das Betäubungsmittelgesetz aufgenommen. Gerade durch diesen irrationalen Schritt ist nicht nur ein „Schutz der Jugend“ unmöglich gemacht worden – wie die Vergangenheit beweist. Gleichzeitig wurde damit jegliche mögliche Qualitätskontrolle verhindert, sodass zusätzliche potenzielle Gefahren, wie zum Beispiel giftige Fremd- oder Zusatzstoffe, für alle Cannabiskonsumenten drohen.
Im Jahr 2004 gab es 174 649 strafrechtliche Cannabisermittlungsverfahren – das Krankheitssymptom einer rein ideologischen Drogenpolitik, das bisher jedoch ohne weitere Beachtung in Deutschland blieb.
Ist der Cannabiskonsum ein medizinisch neu zu erschließender Wirtschaftsmarkt geworden? Therapie vor Strafe sagt die Ideologie unserer Drogenpolitik und macht damit jeden Cannabiskonsumenten zu einem potenziellen Abhängigen, nun vorgeblich einer ärztlichen „Betreuung“ bedarf.

Literatur
1. Kleiber D, Soellner R, Tossmann P: Cannabiskonsum in der Bundesrepublik Deutschland: Entwicklungstendenzen, Konsummuster und Einflussfaktoren. Bundesministerium für Gesundheit. Bonn 1997.
2. Cannabis 2002 Report. Technical Report of the International Scientific Conference, Brussels, Belgium, 25/23/2002. Bundesministerium für Gesundheit www.bmg.bund.de/cln_040/nn_599776/DE/Themen
schwerpunkte/Drogen-und-Sucht/Cannabis/Cannabis-
2002-Report

Stephan Pajer
Hänflingweg 5
26655 Westerstede
1.
Kleiber D, Soellner R, Tossmann P: Cannabiskonsum in der Bundesrepublik Deutschland: Entwicklungstendenzen, Konsummuster und Einflussfaktoren. Bundesministerium für Gesundheit. Bonn 1997.
2.
Cannabis 2002 Report. Technical Report of the International Scientific Conference, Brussels, Belgium, 25/23/2002. Bundesministerium für Gesundheit www.bmg.bund.de/cln_040/nn_599776/DE/Themen
1. Kleiber D, Soellner R, Tossmann P: Cannabiskonsum in der Bundesrepublik Deutschland: Entwicklungstendenzen, Konsummuster und Einflussfaktoren. Bundesministerium für Gesundheit. Bonn 1997.
2. Cannabis 2002 Report. Technical Report of the International Scientific Conference, Brussels, Belgium, 25/23/2002. Bundesministerium für Gesundheit www.bmg.bund.de/cln_040/nn_599776/DE/Themen
schwerpunkte/Drogen-und-Sucht/Cannabis/Cannabis-
2002-Report

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