ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2006Evidenzbasierte Behandlung der Cannabisabhängigkeit: Schlusswort
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LNSLNS Es freut uns, dass unser Artikel auch außerhalb der Ärzteschaft zur Kenntnis genommen wird. Allerdings wissen wir nicht, wie es Herrn Pajer gelingen konnte, diesen Artikel, der fakten- und evidenzbasiert den Behandlungsbedarf und die Möglichkeiten der Behandlung Cannabisabhängiger aufzeigt, derart misszuverstehen. Da Herr Pajer den „Schutz der Jugend“ in den Zusammenhang mit der Legalisierung von Cannabis zu bringen versucht, müssen wir hierzu deutlich konstatieren, dass die spätere psychische Gesundheit eines Konsumenten umso gefährdeter ist, je früher er mit dem Cannabiskonsum begonnen hat. Deshalb sind im Sinne der Prävention und Frühintervention auch repressive Maßnahmen zu rechtfertigen.
So ist der frühzeitige Cannabiskonsum – zum Beispiel vor dem 15. Lebensjahr – häufig Ausdruck eines beginnenden devianten Lebensstils. Außer der Zugehörigkeit zu einer in der Regel Drogen favorisierenden Peer-group ist dieser Lebensstil oft die Ursache für soziale Anpassungsschwierigkeiten anfangs meist mit Schul- und Lehrstellenabbrüchen (1). Darüber hinaus bringen die Resultate gut konzipierter Longitudinalstudien frühzeitigen Cannabiskonsum mit späteren Verhaltensstörungen, Cannabisabhängigkeit, Angsterkrankungen, affektiven Störungen, Psychosen und exzessivem Trinken von Alkohol sowie dem Konsum anderer Drogen zusammen (1, 2, 3, 4). Allerdings soll auch festgehalten werden, dass frühzeitiger Konsumbeginn zwar das Risiko für eine spätere Abhängigkeit sowie Begleiterkrankungen und Folgestörungen erhöht, aber nicht zwangsläufig dazu führen muss (3).
Vor dem Hintergrund der besonderen Vulnerabilität Jugendlicher ist ganz aktuell das europäische „INCANT“-Projekt (International Cannabis Need of Treatment Study) zu begrüßen, das – vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert – zurzeit den Effekt der multidimensionalen Familientherapie auf behandlungsmotivierte junge Cannabiskonsumenten prüfen wird. Unverändert jedoch bleibt in Deutschland der Bedarf nach einer kontrollierten Behandlungsstudie für erwachsene Cannabisabhängige – sicherlich auch unter besonderer Berücksichtigung der hohen Rate zum Teil schwerer psychischer Begleiterkrankungen und/oder Folgeschäden dieser Behandlungsgruppe (4, 5).

Literatur
1. Rey JM, Sawyer MG, Raphael B, Patton GC, Lynskey M: Mental health of teenagers who use cannabis. Results of an Australian survey. Br J Psychiatry 2002; 180: 216–21.
2. Arseneault L, Cannon M, Poulton R, Murray R, Caspi A, Moffitt TE: Cannabis use in adolescence and risk for adult psychosis: longitudinal prospective study. BMJ 2002; 325: 1212–3.
3. McGee R, Williams S, Poulton R, Moffitt T: A longitudinal study of cannabis use and mental health from adolescence to early adulthood. Addiction 2002; 95: 491–503.
4. Fergusson DM, Horwood LJ, Swain-Campbell NR: Cannabis dependence and psychotic symptoms in young people. Psychol Med 2003; 33: 15–21.
5. Bonnet U, Harries-Hedder K, Leweke FM, Schneider U, Tossmann P: AWMF-Leitlinie: Cannabisbezogene Störungen. AWMF-online 2005; www.uni-duesseldorf.de/
www/AWMF/II/076-005.htm.
6. Simon R, Sonntag D, Bühringer G, Kraus L: Cannabisbezogene Störungen: Umfang, Behandlungsbedarf und Behandlungsangebot in Deutschland. München: IFT 2004.

Priv.-Doz. Dr. med. Udo Bonnet
Prof. Dr. med. Norbert Scherbaum
Klinik für Suchtmedizin und abhängiges Verhalten
Rheinische Kliniken Essen
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universität Duisburg-Essen
Virchowstraße 174
45147 Essen

Die Autoren der Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Rey JM, Sawyer MG, Raphael B, Patton GC, Lynskey M: Mental health of teenagers who use cannabis. Results of an Australian survey. Br J Psychiatry 2002; 180: 216–21. MEDLINE
2.
Arseneault L, Cannon M, Poulton R, Murray R, Caspi A, Moffitt TE: Cannabis use in adolescence and risk for adult psychosis: longitudinal prospective study. BMJ 2002; 325: 1212–3. MEDLINE
3.
McGee R, Williams S, Poulton R, Moffitt T: A longitudinal study of cannabis use and mental health from adolescence to early adulthood. Addiction 2002; 95: 491–503. MEDLINE
4.
Fergusson DM, Horwood LJ, Swain-Campbell NR: Cannabis dependence and psychotic symptoms in young people. Psychol Med 2003; 33: 15–21. MEDLINE
5.
Bonnet U, Harries-Hedder K, Leweke FM, Schneider U, Tossmann P: AWMF-Leitlinie: Cannabisbezogene Störungen. AWMF-online 2005; www.uni-duesseldorf.de/www/AWMF/II/076-005.htm.
6.
Simon R, Sonntag D, Bühringer G, Kraus L: Cannabisbezogene Störungen: Umfang, Behandlungsbedarf und Behandlungsangebot in Deutschland. München: IFT 2004.
1. Rey JM, Sawyer MG, Raphael B, Patton GC, Lynskey M: Mental health of teenagers who use cannabis. Results of an Australian survey. Br J Psychiatry 2002; 180: 216–21. MEDLINE
2. Arseneault L, Cannon M, Poulton R, Murray R, Caspi A, Moffitt TE: Cannabis use in adolescence and risk for adult psychosis: longitudinal prospective study. BMJ 2002; 325: 1212–3. MEDLINE
3. McGee R, Williams S, Poulton R, Moffitt T: A longitudinal study of cannabis use and mental health from adolescence to early adulthood. Addiction 2002; 95: 491–503. MEDLINE
4. Fergusson DM, Horwood LJ, Swain-Campbell NR: Cannabis dependence and psychotic symptoms in young people. Psychol Med 2003; 33: 15–21. MEDLINE
5. Bonnet U, Harries-Hedder K, Leweke FM, Schneider U, Tossmann P: AWMF-Leitlinie: Cannabisbezogene Störungen. AWMF-online 2005; www.uni-duesseldorf.de/www/AWMF/II/076-005.htm.
6. Simon R, Sonntag D, Bühringer G, Kraus L: Cannabisbezogene Störungen: Umfang, Behandlungsbedarf und Behandlungsangebot in Deutschland. München: IFT 2004.

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