ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2006Kölner Sportmuseum: Deutscher Fußball in aller Welt

VARIA: Feuilleton

Kölner Sportmuseum: Deutscher Fußball in aller Welt

Dtsch Arztebl 2006; 103(17): A-1168 / B-989 / C-954

Groß, Roland

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Ein Kaiser in Amerika – Franz Beckenbauer
Ein Kaiser in Amerika – Franz Beckenbauer
Die Ausstellung wird als Teil des Kunst- und Kulturprogramms der Bundesregierung zur Weltmeisterschaft offeriert.

Rudi Gutendorf hätte den Job sofort gemacht. Er brachte sich sogar selbst ins Gespräch, auch noch mit 80 Jahren, dies nach 60 Trainerstationen in 30 Ländern. Die Rede ist vom Bundestrainerposten, der dann irgendwann durch Klinsmann und Co. besetzt wurde. Das Deutsche Sport- und Olympia-Museum, gleich neben dem Schokoladen-Museum im Kölner Rheinauhafen gelegen, präsentiert derzeit erfolgreiche deutsche Trainer- und Spieler-Exporte en masse. Das Ganze wird als Teil des Kunst- und Kulturprogramms der Bundesregierung zur Fußball-Weltmeisterschaft offeriert. Was im eigenen Kader nur schwer funktioniert, sei es die Vermittlung von Fußball-Kunst oder zuvor die Bundestrainer-Beschaffung, scheint hingegen international immer bestens geklappt zu haben: also wenigstens dort deutsche Wertarbeit per Fuß.
Der König der Löwen in Kamerun – Winnie Schäfer
Der König der Löwen in Kamerun – Winnie Schäfer
Launig inszenierte Ausstellung
Dem Schleudersitz-Job und weltweiter deutscher Entwicklungshilfe in Sachen Fußball wird unter dem Titel „Global Players – deutscher Fußball in aller Welt“ eine launig inszenierte Ausstellung gewidmet. Doch was ist das: Hühner in Kisten und Käfigen, darüber Schriftbänder mit der Aufschrift „Bernie is our Hero, Tana is a Zero“? Tatort Perth, Australien. Trainer Bernd Stange ist der Held. Hingegen wird der Hühnerbaron und Fußball-Club-Besitzer Nick Tana als „Null“ beschimpft. Zumindest formulierten dies die Fans vor Ort so und gingen im Jahr 2000 für „ihren“ Trainer (aus Deutschland) auf die Straße, der entlassen werden sollte. An anderer Stelle, übrigens stets arrangiert in gewaltigen hölzernen Überseekisten, sieht man ein kaiserliches Schwert und zeremonielles Seidengewand für Klaus Schlappner, das in China tätige Trainer-Unikum aus Mannheim. Der bis 1995 im Reich der Mitte tätige Mundart-Kauz sorgt nicht minder für Schlappner-Bier-Import – mit eigenem Konterfei, versteht sich.
Das Kölner Ausstellungsdesign in Transportkisten-Sperrholz entdeckt nicht zuletzt ein neben dem deutschen Automobil nicht minder die Welt beglückendes Produkt „made in Germany“: den deutschen Trainer oder Fußballstar, angefangen von Haller und Schnellinger bis zu Klinsmann und Bierhoff im Inter-Mailand-Trikot: In diesem Fall ist der Holz-Container mit Campari-Flaschen, Wandtelefon und Espresso-Bar-Ambiente drapiert. Unter den Trainern die Namen von Gutendorf, Winnie Schäfer, Jupp Derwall, Holger Obermann, Otto Rehagel, längst in den griechischen Götter-Olymp aufgenommen, bis hin zu Kalli Feldkamp oder Heinz Piontek, der Grönland für den Fußball erwärmte.
Man ist im Kölner Sportmuseum nicht in die Vitrinen-Falle getappt, hat ein kurios informierendes Stück Fußball geschaffen. Fast alles stammt aus den Privat-Depots der Beteiligten – im Falle Gutendorf muss das wohl aussehen wie ein kulturgeschichtliches Museum: von der afrikanischen Fetischfigur bis zum Haifisch-Schädel. In Winnie Schäfers afrikanischer Phase wurde gar ein angeblich verhexter Co-Trainer in Polizeigewahrsam genommen. Vielleicht wäre das die Lösung deutscher Fußball-Probleme? Zumindest ist ein albanisches Baby kürzlich „Briegel Rraglli“ getauft worden, nach dem derzeitigen National-Coach Albaniens Hans-Peter Briegel (wohlgemerkt als Vornamen). Roland Groß


Die Ausstellung ist bis 5. Juni dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 19 Uhr zu sehen; Rheinauhafen 1 (Hinweise auf das Parkhaus an der Kölner Rheinuferstraße beachten!); Telefon: 02 21/33 60-9 99, ein Begleitheft ist für fünf Euro erhältlich; Internet: www.sportmuseum-koeln.de.
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