ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2006Krankentagegeld: Das Kleingedruckte beachten

VARIA: Wirtschaft

Krankentagegeld: Das Kleingedruckte beachten

Graudenz, Alexander

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LNSLNS Im Falle der Inanspruchnahme von vorzeitigen Altersbezügen aus der Ärzteversorgung verweigern viele Versicherungen die Zahlung von Krankentagegeld.

Zu den wichtigen Versicherungen beim Start in eine eigene Praxis gehört für niederlassungswillige Ärzte eine Krankentagegeldversicherung. Mit ihr kann der Praxisinhaber das Risiko des Verdienstausfalls bei Krankheit absichern und die Beschäftigung eines Vertreters zur Weiterführung der Praxis finanzieren. Dieses Risiko besteht für niedergelassene Ärzte bei nennenswerten Bezügen aus der Praxis weiter, auch wenn sie anderweitige Einkünfte haben, beispielsweise aus einem vorzeitigen Bezug der Rente aus dem ärztlichen Versorgungswerk. Eine vorgezogene Altersrente ist inzwischen bei den meisten Versorgungseinrichtungen für Ärzte möglich, und mehr als 60 Prozent aller Ärztinnen und Ärzte jenseits des sechzigsten Lebensjahres machen bereits von dieser Möglichkeit Gebrauch.
Verschiedene Versicherungen haben nun Ärzten, die vorzeitig, also zwischen dem 60. und dem 65. Lebensjahr, aus dem Versorgungswerk Rente beziehen, Zahlungen bei Krankheit verweigert. Diesen Kollegen war die Lücke im Versicherungsschutz offenbar nicht klar, sie hatten das Kleingedruckte überlesen oder waren sich bei der Entscheidung für einen vorzeitigen Rentenbezug der Tragweite dieses Ausschlusses nicht bewusst.
Jedoch: Kann es richtig sein, dass Versicherungen dann den Schutz verweigern, wenn die ärztlichen Versicherungsnehmer älter werden, also ein höheres Risiko für die Versicherungen darstellen, krank und arbeitsunfähig zu werden? Eine nach Auffassung des Autors dieses Beitrages unbefriedigende Situation, die ihn veranlasste, auf dem 107. Deutschen Ärztetag 2004 in Bremen folgenden Antrag einzubringen:
„Die Bundes­ärzte­kammer fordert die Kran­ken­ver­siche­rungen auf, Krankentagegeldversicherungen nicht für die Ärzte/Innen zu beenden, die zwar vorzeitige Bezüge (ab 60 Jahre zum Beispiel) aus den Versorgungswerken beziehen, aber noch weiter in nennenswertem Maße in ihren Praxen tätig sind.“
Der Antrag wurde vom Deutschen Ärztetag angenommen und vom Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, mit Schreiben vom 22. Juni 2004 an den Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rungen e.V., Köln, versandt mit der Bitte, den Inhalt der Entschließung zu berücksichtigen. Darüber hinaus wurde in bilateralen Gesprächen zwischen der Bundes­ärzte­kammer und dem PKV-Verband das Anliegen der Entschließung vorgetragen.
Auf Anfrage der BÄK teilte der Verband mit, dass dieser Beschluss allen Versicherungen, die Krankentagegeldversicherungen anbieten, mitgeteilt wurde. Reaktionen der einzelnen Versicherungen liegen weder dem Verband noch der Bundes­ärzte­kammer vor.
Folgende Handhabung einer Versicherung sei etwas ausführlicher dargestellt, weil sie einige typische Gesichtspunkte aufzeigt:
Im Falle der Inanspruchnahme von vorzeitigen Altersbezügen aus der Ärzteversorgung könne auf Antrag des Versicherten von der Anwendung der Bestimmungen des § 15 c der Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Krankentagegeldversicherung, Teil I – Musterbedingungen 1994 des Verbandes der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (MB/KT 94) –, worin mit dem Bezug von Altersrente die Beendigung der Krankentagegeldversicherung vorgesehen ist, abgesehen werden. Voraussetzung hierfür sei, dass trotz des Bezuges von vorzeitiger Altersrente weiterhin eine Praxistätigkeit in nennenswertem Maße ausgeübt werde. Das hieraus erzielte durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen dürfe das versicherte Krankentagegeld zuzüglich der Altersbezüge nicht unterschreiten. Insofern würde in derartigen Fällen eine Einzelfallprüfung erforderlich.
Von den Versicherungen wird diese Möglichkeit allerdings sehr unterschiedlich gehandhabt. Einige versichern automatisch, andere nur auf Antrag oder gar nicht weiter, und das bis zum Alter von 65 oder 68 Jahren oder sogar unbegrenzt.
Tipp: Alle jungen Kolleginnen und Kollegen, die vor dem Start in die Freiberuflichkeit stehen, seien nachdrücklich auf die Notwendigkeit hingewiesen, beim Abschluss einer Krankentage-geldversicherung darauf zu achten, dass in ihrer Police ein Schutz bei Weiterführen der Praxis auch für den Fall garantiert ist, dass vorzeitig Rente, zum Beispiel aus dem Versorgungswerk, bezogen wird. Inhabern von Krankentagegeldversicherungen sei empfohlen, ihre Policen auf solche Ausschlüsse zu überprüfen und sich gegebenenfalls rechtzeitig mit ihrer Versicherung in Verbindung zu setzen. Dr. med. Alexander Graudenz
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