ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2006Frühjahrs-Meningoenzephalitis: Häufig Symptome einer „Sommergrippe“

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Frühjahrs-Meningoenzephalitis: Häufig Symptome einer „Sommergrippe“

Dtsch Arztebl 2006; 103(17): A-1171

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Immer mehr Menschen in Europa erkranken an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die 427 in Deutschland gemeldeten FSME-Fälle in 2005 sind wahrscheinlich nur die Spitze eines Eisberges. Viele Infektionen verlaufen leicht und werden als „Sommergrippe“ nicht weiter abgeklärt. Eine Untersuchung in Baden-Württemberg und Südhessen im Sommer 2004 habe gezeigt, dass zehn Prozent aller Teilnehmer mit Symptomen einer „Sommergrippe“ FSME-Virus-Antikörper hatten, erläuterte Dipl.-Biologe Dieter Gniel (Marburg) in München.
Die meisten FSME-Fälle werden aus Bayern und Baden-Württemberg gemeldet. Als Hauptursache wird eine zunehmende Ausbreitung und Populationsdichte der Zecke Ixodes ricinus angeführt. Milde Winter begünstigen das Überleben der Vektoren, aber auch der Reservoirtiere, vor allem der Mäuse. Zusätzlich halten sich die Menschen häufiger in der Natur auf und exponieren sich so mehr als früher den Zecken.
Zecken können in der Natur nicht bekämpft werden, und eine kausale Therapie der Virusinfektion ist nicht verfügbar. Den besten Schutz bietet die Schutzimpfung. Dr. Nikolaus Frühwein (München) fordert eine deutliche Anhebung der Impfrate. Der nebenwirkungsarme Impfstoff Encepur® für Erwachsene und Encepur® für Kinder (von ein bis elf Jahre) und die einfachen Impfschemata bieten die Voraussetzung dafür.
Durch die hohe Immunogenität der Vakzine könnten nach der ersten Auffrischimpfung (nach spätestens 18 Monaten) alle weiteren Auffrischimpfungen in Abständen von fünf Jahren erfolgen, erklärte Dr. Michael Edigkaufer (Marburg). Aufgrund der Alterung des Immunsystems sollte bei Personen, älter als 50 Jahre, der Impfabstand von drei Jahren beibehalten werden.
Wurde nach der Grundimmunisierung oder der letzten Auffrischimpfung zum Beispiel zehn Jahre nicht mehr geimpft, so genügt eine einzige Boosterimpfung, um wieder einen stabilen Impfschutz aufzubauen, wenn eine abgeschlossene Grundimmunisierung gegeben ist. Die schnellste Grundimmunisierung wird mit Impfungen am Tag 0, 7 und 21 erzielt („Schnellimmunisierung“). Sie ist jedoch nur für die Encepur-Impfstoffe zugelassen.
Die Zunahme der Frühsommer-Meningoenzephalitis in Europa spiegelt sich in der Zahl der registrierten Endemiegebiete wider. Das gilt für Nordeuropa ebenso wie für Frankreich, wo insbesondere das Elsass und Lothringen betroffen sind. Besonders auffällig sei die FSME-Situation in der Schweiz, berichtete Prof. Tino F. Schwarz (Würzburg). Hier wurde eine Zunahme von Erkrankungsfällen um 55 Prozent in 2005 gegenüber 2004 gemeldet. Eine erhebliche Rolle dabei spielt die unterschätzte Infektionsgefahr bei Freizeitaktivitäten. Siegfried Hoc

Pressegespräch in München: „FSME auf Rekordniveau – Steigende Fallzahlen erfordern höhere Durchimpfraten“, Veranstalter: Chiron Behring, Marburg
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