ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2006Arbeitsmarkt für Ärzte: Allrounder nicht mehr gefragt?

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Arbeitsmarkt für Ärzte: Allrounder nicht mehr gefragt?

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Die Auswertung der Stellenausschreibungen im Deutschen Ärzteblatt im Jahr 2005 zeigt einen nochmals verstärkten Spezialisierungstrend.

Wenn die Entwicklung so weitergeht, kann das Deutsche Ärzteblatt am Jahresende einen neuen Ausschreibungsrekord vermelden: Im ersten Quartal 2006 wurden bereits ein Drittel mehr Stellenanzeigen für Fachärztinnen und Fachärzte geschaltet als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Nach wie vor sind es in erster Linie die Akutkrankenhäuser, die verstärkt ärztliche Mitarbeiter suchen, und zwar vor allem Spezialisten. Welche gravierenden Auswirkungen der nochmals forcierte Spezialisierungstrend in den Krankenhäusern auf den ärztlichen Arbeitsmarkt hat, zeigt sich seit letztem Jahr besonders in den großen Fachgebieten Innere Medizin und Chirurgie.
In der Inneren Medizin waren 2005 besonders Kardiologen gefragt, für die 207 Stellenzeigen geschaltet wurden; es folgten die Gastroenterologen (151), die Hämatologen/Onkologen (84) und Pneumologen (58). Dabei kehrte die Kardiologie wieder an ihren „angestammten“ Spitzenplatz zurück, nachdem sie im Jahr davor vorübergehend durch die Gastroenterologie von diesem verdrängt worden war. Und auch die Angiologie machte einen großen Sprung nach vorne: Mit 26 Annoncen wurden in diesem Teilgebiet noch nie so viele Stellenanzeigen geschaltet wie im letzten Jahr. Insgesamt setzen 55 Prozent aller Ausschreibungen von Akutkrankenhäusern in der Inneren Medizin eine Schwerpunktanerkennung zwingend voraus.
In der Chirurgie ist der Spezialisierungstrend noch wesentlich ausgeprägter: Hier wird von den Bewerbern bei 81 Prozent aller ausgeschriebenen Klinikstellen eine Schwerpunktanerkennung gefordert. In der Chirurgie standen 2005 mit 142 Stellenanzeigen die Unfallchirurgen an der Spitze der Nachfrage – wie in allen Jahren davor. Allerdings ist der Vorsprung auf die nächstplatzierten Viszeralchirurgen (138) nur noch minimal. Es folgten die Gefäßchirurgen (93) und die Plastischen Chirurgen (25), die den größten Schritt nach vorne machten.
Die zum Teil sprunghaft ansteigende Nachfrage in Teilgebieten der großen Fächer hat zur Folge, dass kurzfristig nicht immer genügend potenzielle Bewerber zur Verfügung stehen. Wie dünn zum Teil die Bewerberdecke ist, veranschaulicht folgende Rechnung: Den 131 Chirurginnen und Chirurgen, die 2004 eine Schwerpunktanerkennung Viszeralchirurgie erworben haben, standen 2005 insgesamt 81 Oberarztausschreibungen zur Verfügung. Damit kamen statistisch noch nicht einmal zwei Bewerber auf eine Stellenausschreibung. Ähnlich prekär ist die Situation in der Gefäß- und Thoraxchirurgie. Im Bereich der Inneren Medizin sind die Relationen nicht ganz so drastisch, aber auch in der Gastroenterologie oder Pneumologie kommen statistisch gerade mal 2,5 frisch gebackene Schwerpunkt-Internistinnen und -Internisten auf eine ausgeschriebene Oberarztposition.
Liegt die Ursache für den akuten Mangel an ärztlichen Bewerbern im Wesentlichen an dem (vorübergehenden) Phänomen, dass einfach zu viele Krankenhäuser zur gleichen Zeit die gleichen Spezialisten suchen? Oder stehen wir nicht vielmehr am Anfang tief greifender Veränderungen in den medizinischen Versorgungsstrukturen im Allgemeinen und den Krankenhäusern im Besonderen, die für einen dauerhaft hohen Bedarf an Spezialisten sorgen werden? Letzteres würde bedeuten, dass in Zukunft zu wenige Internisten und Chirurgen in den Schwerpunkten weitergebildet werden.
Dr. Wolfgang Martin
E-Mail: mainmedico@t-online.de
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