ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2006zu Fonds: Bezahlte Presse

VARIA: Schlusspunkt

zu Fonds: Bezahlte Presse

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Können Fonds sich eine gute Presse kaufen? Dieser durchaus brisanten Frage widmeten sich zwei US-Ökonomen und veröffentlichten die Ergebnisse einer aufwendigen empirischen Studie in der Februar-Aus-
gabe des „Quarterly Journal of Economics“, einer der renommiertesten Wirtschaftswissenschaftszeitschriften der Welt.
Danach kommen die beiden Forscher Jonathan Reuter (Oregon) und Eric Zitzewitz (Stanford) zu dem Schluss, dass amerikanische Medien durchaus wichtige Anzeigenkunden schönschreiben. Ausgehend von der Frage „Wird über Fonds eines Anbieters wohlwollender berichtet, wenn dieser viele Anzeigen schaltet?“, nahmen sich die Wissenschaftler die Aktienfondsberichte der wichtigsten fünf US-Medien unter die Lupe.
Das Ergebnis erstaunt schon sehr. Während bei den Tageszeitungen wie der „New York Times“ oder dem „Wallstreet Journal“ eher kein Gefälligkeitsjournalismus festzustellen war, wird die Vermutung bei den Anlegermagazinen bestätigt. Bei „Money“, „Kiplinger’s Personal Finance“ und „Smart Money“ gab es sehr wohl einen Zusammenhang zwischen den Anzeigenausgaben und der Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fonds im Heft auch empfohlen wurde. Ein bemerkenswertes Ergebnis, das einen sehr nachdenklich stimmen muss.
Ist das alles auch auf Deutschland übertragbar oder hierzulande undenkbar? Die Frage stelle ich von vornherein bei vollem Bewusstsein und der Erwartung, dass in der Fondsbranche empörte Aufschreie drohen, wie ein pflichtbewusster Schreiber denn so was überhaupt anzunehmen imstande sein könnte.
Dazu hat sich vor 53 Jahren schon einmal ein gewichtiger Zeitgenosse geäußert. „In Ihrem Hause ist es nicht ganz klar, dass Redaktion und Anzeigenabteilung einer Zeitung scharf getrennt sind“, schrieb damals Gerd Bucerius an eine Versicherungsgesellschaft, die angeboten hatte, sich mit üppigen Anzeigen für eine positive Berichterstattung zu „bedanken“.
Der Gründer der „ZEIT“ schloss mit folgendem Fazit: „Damit sich solche
Missverständnisse nicht wieder ereignen, habe ich die Anzeigenabteilung der ,ZEIT‘ angewiesen, Anzeigen Ihres Hauses nicht mehr entgegenzunehmen.“ Ob Versicherung, ob Bank, ob Fondsgesellschaft, wer glaubt, es ginge heute nicht mehr so moralisch zu, wird, so fürchte ich, im Recht sein.
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