Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Was ist eigentlich eine gute Patientenbetreuung oder eine wirkungsvolle Behandlung wert? Schon der Umfang der Gebührenordnung für Ärzte oder des Einheitlichen Entwertungsmaßstabs lässt erahnen, dass diese Diagnose äußerst schwer zu stellen ist. Zum Quartalsende scheint sich diese Frage aber zu beantworten: Nichts ist es wert. Bizarr anmutende Regularien im kassenärztlichen Bereich haben dazu geführt, dass die Mehrzahl von uns die letzten Wochen im Quartal umsonst arbeitet. Auch ich bin budgetiert; und wenn ich für meine Arbeit schon nichts kriege, so habe ich beschlossen, darf ich wenigstens laut meine Meinung sagen. Also erläutere ich meinen Patienten, dass gegen Vorlage der Chipkarte sowie zehn Euro Praxisgebühr, die ich als Inkassobeauftragter verwalte, hochkarätige ärztliche Leistungen in Anspruch genommen werden können. Dass unsere Arbeit auf der Absorption und Digestion unzähliger großvolumiger Fachbücher fußt. Dass wir durch ständige Assimilation neuester Forschungsergebnisse modernste diagnostische und therapeutische Verfahren vorhalten. Dass der fortschreitende Marasmus unserer Vergütung kaum erträglich ist, während Qualitätsbescheinigungen und Bürokratie metastatisch um sich greifen. Dass wir trotz allgegenwärtiger Kontrolleure und Regresseure das Ärztemöglichste tun, um unseren Schutzbefohlenen das Beste an moderner Medizin zukommen zu lassen. Dass es ein schlechter Witz ist, wenn wir mit unserem Einkommen für den medizinischen Fortschritt auch noch haften müssen. Dass wir am Ende des Quartals unsere Leistungen völlig umsonst . . .
„Das ist ja unglaublich, Herr Doktor“, unterbricht mich mein Patient, „ich hätte nie gedacht, dass Sie für nichts arbeiten. Ich meine, ist es nicht so, dass Sie auch noch die Miete bezahlen müssen und Ihre Arzthelferinnen und so?“ Das wohlige Gefühl des Verständnisses umflort meine angegriffene ärztliche Seele. Natürlich ist es so! „Dann zahlen Sie ja am Ende noch drauf, ich meine, wenn Sie gar nichts dafür kriegen, wenn Sie mich behandeln?“ Ganz gerührt bin ich, dass doch noch jemand für mich Verständnis zeigt. „Aber mal ehrlich, Herr Doktor: Wenn Sie wirklich nichts mehr für Ihre Arbeit kriegen, und Sie machen trotzdem weiter, kann ja Ihre Arbeit eigentlich gar nichts wert sein, oder? Wie sagt man: Was nichts kostet, taugt auch nichts!“ Dr. med. Thomas Böhmeke

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote