ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2006Protestkundgebung: Lasst uns öffentlich sprechen

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Protestkundgebung: Lasst uns öffentlich sprechen

Dtsch Arztebl 2006; 103(18): A-1214 / B-1028 / C-991

Müller, Wolfgang

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LNSLNS Lasst uns nicht mit ignoranten Politikern/Politikerinnen, unredlichen Kassenverwaltern, Regressoren und Budgetisten rechten: Ein Ignorantus ist durch seine zementierte Borniertheit stärker als hundert Weise . . . Lasst uns nicht mit, aber über diejenigen öffentlich sprechen,
– die mit sturer Beharrlichkeit, denkfauler Bequemlichkeit und mit erstarrtem ideologischem Vorurteil Ärztefeindlichkeit zur politischen Maxime erheben,
– die Probleme um Gesundheit und Krankheit allein auf deren ökonomischen Aspekt beschränken: Sie verharren in unergründlicher Beschränktheit.
– die weder Klinik noch Praxis von innen kennen, geschweige deren Geist und Wesen verstehen, aber dennoch darüber urteilen und zuteilen . . .
Lasst uns aber öffentlich sprechen
– von erschöpften, deprimierten und frustrierten Ärzten in Klinik und Praxis,
– vom Einsatz bis zum Burn-out, von einem Zehn- bis Zwölfstundentag, von einer 50- bis 60-Stunden-Woche, von unbezahlten Überstunden, von 24- bis 48-Stunden-Diensten,
– beispielhaft von den Kollegen im Rettungsdienst: mit extremer Verantwortlichkeit, sprichwörtlich bei Nacht und Nebel, bei Eis und Schnee, unter eigener Lebensgefährdung, mit Blut und Erbrochenem, mit Randalierenden in Kneipen, mit Erschlagenen und Erhängten . . .
– von Tausenden von Ärzten, die still und ernst ihrem Beruf und ihrer Berufung nachgehen, nur wünschend, in Ruhe arbeiten zu können, zwischen Spardruck und Patientenanspruch, verfolgt von Budgetisten und Regressoren, das alltägliche Geschwätz von Politikern und Kassenfunktionären verfluchend,
– von einer Ho(h)norierung, die nichts mehr mit „honor“ gemein hat; kein Handwerker würde sich tags, geschweige denn nachts, für unser Entgelt aufraffen, kein Anwalt für unseren Stundensatz eine Akte auch nur ansehen . . .
– über unsere eigenen Schwächen, unsere berufsbedingte Beißhemmung, unsere Gruppenegoismen, unsere erstarrten hierarchischen Strukturen, unsere Uneinigkeit, die es unseren Kontrahenten so leicht macht.
Ich war 25 Jahre „Ost“-Arzt und bin jetzt 15 Jahre „West“-Arzt; die DDR-Führung liebte uns nicht, wohl weil wir als politisch unzuverlässig galten und zum selbstständigen Denken neigten; diffamierende Ignoranz und Arroganz der gesundheitspolitisch Verantwortlichen habe ich aber erst im „Westen“ kennen gelernt.
Dr. med. Wolfgang Müller, Carl-August-Allee 14, 99423 Weimar
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