ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2006Medizingeschichte(n): Religiöse Heilkunde – Gebet zur heiligen Apollonia

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Medizingeschichte(n): Religiöse Heilkunde – Gebet zur heiligen Apollonia

Dtsch Arztebl 2006; 103(18): A-1221 / B-1034 / C-997

Schott, H.

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LNSLNS Zitat: „Heilige Jungfrau und Martyrin Appolonia, die du aus Liebe zu deinem göttlichen Bräutigam dir durch grausame Schläge alle Zähne hast zerschlagen und ausreißen lassen und aus Antrieb des hl. Geistes dich lieber selbst zum Brandopfer dem wahren Gott hast darbringen, als den falschen Göttern Ehre erzeigen und von Christus abweichen wollen [1], ich bitte dich, du wollest durch deine Verdienste und Fürbitte auch mir eine so innige Vereinigung mit Jesus erlangen und mir in meinen Leiden Linderung und Heilung bringen, oder doch ein solches Feuer der göttlichen Liebe in mir erwecken, daß ich alle Schmerzen mit Geduld ertragen könne. Amen.“
„Diese und andere Bildchen werden als Andenken einem jeden geschenkt, der eine Spende von mindestens 10 Pfennig zu Gunsten des Kleinen Liebeswerkes beisteuert. Das Kleine Liebeswerk ist die apostolische Schule des Herz-Jesu-Missionhauses zu Hiltrup bei Münster i. W. (in Westfalen), in welcher talentierte aber wenig bemittelte Knaben zu Priester-Missionaren herangebildet werden. Das Arbeitsfeld der Missionare vom hl. Herzen Jesu bilden die deutschen Besitzungen der Südsee: Bismarckarchipel [2], und Marschallinseln [3].“

Text auf der Rückseite eines Andachtsbildchen als Spendenquittung des Herz-Jesu-Missionshauses in Hiltrup bei Münster, Anfang 20. Jahrhundert – In: Dieter Pack: Die historische Entwicklung des Apollonia-Kults unter besonderer Berücksichtigung des so genannten „kleinen Andachtsbildes“. Würzburg: Königshausen & Neumann 2005, Seite 268. – [1] Anspielung auf die Legende, siehe unten. [2] Zur westpazifischen Inselwelt (Melanesien) beziehungsweise zum Staat Papua-Neuguinea gehörend. [3] Heute: Republik der Marshallinseln, westpazifischer Inselstaat, zu Mikronesien gehörend. – Nach heutigem Wissensstand starb die heilige Apollonia den Märtyrertod im Jahr 249 nach Christus. Nach der Legende wurde sie Opfer einer Christenverfolgung in Alexandria. Man schlug ihr alle Zähne aus und drohte, sie zu verbrennen, wenn sie ihrem Glauben nicht abschwören würde. Sie sprang jedoch selbst ins Feuer und verbrannte. Der Heiligenkult der Apollonia als Patronin der Zahnleidenden und Zahnärzte verbreitete sich seit dem Mittelalter in Europa und erlebte in Renaissance und Früher Neuzeit einen Höhepunkt. Bis zum 20. Jahrhundert wurde die heilige Apollonia auf kleinen Andachtsbildern („Heiligenbildchen“) im Bereich der katholischen Kirche verbreitet. Die Besitzer schauten sie an, wenn sie von Zahn- oder Kopfschmerzen geplagt waren und hofften, dass Ihnen die Heilige beistehen und ihre Schmerzen lindern würde.

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