ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2006Chirurgie: Berufsbild im Wandel
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LNSLNS Die chirurgischen Abteilungen stehen vor großen Umstrukturierungsprozessen: Einerseits zwingt der medizinische Fortschritt zur Spezialisierung und Zentrenbildung, andererseits müssen sämtliche Strukturen einer intensiven ökonomischen Betrachtung standhalten. Nach Einschätzung des Generalsekretärs der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Prof. Dr. med. Hartwig Bauer, wird sich der Wettbewerb zwischen medizinischen und kaufmännischen Denkansätzen massiv verschärfen. Welche Auswirkungen sich dadurch für die Chirurgen ergeben, wurde auf dem Jahreskongress in Berlin diskutiert. „Im Zeitalter von DRGs drohen Umsätze und Erlöse die oberste Priorität in der Rangliste unserer Aufgaben einzunehmen. Das heißt, chirurgische Eingriffe sollen möglichst marktorientiert, von höchster Qualität und in großer Anzahl geleistet werden“, so Bauer. Die Konsequenz: Der Chirurg werde in den Operationssaal zurückgedrängt, um sich ungestört seiner „Kernkompetenz“ zu widmen. „Doch während wir abgeschottet im Operationssaal unserer Arbeit nachgehen, kommen Verwaltungsgremien zusammen und treffen weitreichende strategische Entscheidungen. So geraten die Chirurgen scheinbar unmerklich ins operationstechnische Abseits.“
Endlich auf die Station zurückgekehrt, müssten sich die Chirurgen der ausufernden Bürokratie mit Dokumentation, Stellungnahmen gegenüber Verwaltung, Krankenkassen, Versicherungen, Medizinischem Dienst, Behörden sowie der Erfassung von Abrechnungsdaten und Qualitätssicherungsprotokollen widmen. Für die Kommunikation mit und die Arbeit am Patienten bleibe immer weniger Zeit übrig. Negative Auswirkungen auf die Versorgungsqualität seien absehbar.
„Die Zuwendung zum Patienten muss wieder Priorität haben“, fordert Bauer. Ihm gegenüber stehe der Chirurg in erster Linie in der Pflicht. Das sich darauf gründende Vertrauen sei zu bewahren – bei allen Einflüssen, die sich in einer werte- und sozialgewandelten Gesellschaft mit zunehmend ökonomischer Ausrichtung und Standardisierung der Medizin auf diese Beziehung auswirkten. Dr. med. Vera Zylka-Menhorn
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