ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2006Insulinanaloga: Typ-2-Irrtum für Typ-2-Diabetiker

BRIEFE

Insulinanaloga: Typ-2-Irrtum für Typ-2-Diabetiker

Dtsch Arztebl 2006; 103(19): A-1289 / B-1094 / C-1054

Lilienfeld-Toal, Hermann von

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Das kann die Regierung auch nicht, da formal alles richtig gelaufen ist. Das Problem ist nur, dass inhaltlich das Urteil des IQWiG falsch ist. Es gibt Fakten, an denen das IQWiG, trotz allen EbM-Geklingels, nicht vorbei kann: Insulinanaloga wirken schneller (in Bezug auf den Abstand zwischen Injektion und Blutzuckersenkung) als das Humaninsulin; die Blutzuckerkonzentration nach der Insulinanalog-Injektion ist niedriger; es droht eine Unterzuckerung später nach Humaninsulin, nicht nach Analog-Insulin. Diese Vorteile kann man den Typ-2-Diabetikern wohl schlecht vorenthalten. Der Nutzen für die Typ-2-Diabetiker ist evident. Für Humaninsulin ist nun einmal ein Spritz-Ess-Abstand erforderlich, und man kann diese Notwendigkeit nicht einfach negieren mit dem Argument: Das haben wir schon immer so gemacht. Denn Endpunktstudien dazu, dass man auf den Spritz-Ess-Abstand beim Humaninsulin verzichten kann, gibt es nicht. Und daraus folgt, dass man das Insulin entsprechend seiner pharmakodynamischen Wirkung (und seiner Zulassung) verwenden muss, d. h. mit Spritz-Ess-Abstand. Wenn es keine Endpunktstudien gibt dazu, dass jemand unter Insulinanaloga innerhalb eines halben Jahres besser wegkommt als mit Humaninsulin, dann sagt das gar nichts. Die UKPDS und die DCCT gingen über viele Jahre. Und wenn etwas nicht da ist, nämlich eine Untersuchung zum Nachweis von Auswirkungen auf die Folgeschäden, dann darf man daraus auch keine Folgerungen ziehen, wie es leichtsinnigerweise das IQWiG tut, das argumentiert: Es wird kein Nachweis des Rückgangs von Folgeschäden geführt, also gibt es keinen Nutzen. Statistisch gesehen, ein klassischer Typ-2-Irrtum.
Prof. Dr. med. Hermann von Lilienfeld-Toal, Kreiskrankenhaus Gelnhausen, Main-Kinzig-Kliniken gGmbh, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Frankfurt, Herzbachweg 14, 63571 Gelnhausen
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige