ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2006Palliativmedizin: Fatale Rolle der Medizin
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LNSLNS Die Medizin übernimmt in der Sterbeszene ungewollt eine fatale Rolle. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges, im Kampf gegen die Seuchen und in ihrer operativen Universalität hat sie die Fiktion aufrechtzuerhalten, dass der Tod besiegt, dass Krankheit lediglich eine Betriebsstörung und dass Gesundheit durch ein Auswechseln schadhafter Teile wiederherstellbar sei. Gleichzeitig werden immer mehr Sterbende in unseren Krankenhäusern abgeliefert mit der Bitte, sie „nicht mehr zu lange zu quälen“. Dabei wächst die Anzahl subakut und chronisch Sterbender, die maschinell oder medikamentös ihr Leben auf Zeitraten bei uns erhalten, die von uns abhängig bleiben. Ärz-
tinnen/Ärzte und Krankenpfleger/-innen, Zeitgenossen der ihnen zum Sterben anvertrauten Patienten, fühlen sich nicht selten hilflos und überfordert. Die Berufsausbildung hatte ihnen nichts gesagt vom Tod, vom Umgang mit Sterbenden. Ihr Beruf sei die Überwindung von Tod und Leid, ihr Selbstverständnis das positivistische Weltbild des heutigen Menschen, der Glaube an die umfassende Heilkunst der Medizin. Die bis heute nur zögernd eingerichteten Palliativstationen und ambulanten Palliativaktivitäten sowie die ambulanten und stationären Hospizgruppen zeigen jedoch bereits die mitmenschlichen und ethischen Möglichkeiten einer Medizin von Morgen. Warum nur dauert es, im Vergleich mit angelsächsischen Ländern, in Deutschland so lange? . . .
Prof. Dr. med. Alfred Drees,
Friedrich-Ebert-Straße 26, 47799 Krefeld
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