ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2006Chefarzt-Verträge: Der Chefarzt als Prügelknabe
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LNSLNS Kein Zweifel: Die alten Chefärzte sterben aus, nicht nur biologisch, und dem einen oder anderen wird man auch keine Träne nachweinen. Wenn aber jetzt auf Kongressen diskutiert und in Musterverträgen zementiert ein neues Profil gefordert wird, kann einem Chefarzt-Bewerber schon das Lachen vergehen: Von einem Freien Beruf kann nicht mehr die Rede sein, Ökonomie und Budgetverantwortung sind beherrschende Punkte, Medizin und Arzttum werden gegängelt und dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens Klinik untergeordnet. So weit, so schlecht. Was aber soll der Anwärter auf eine leitende Position tun? Im konkurrierenden Krankenhaus wird ihm ein gleicher Vertragsentwurf vorgelegt werden. Vielleicht sagt ihm auch noch ein (primär für den Arbeitgeber tätiger) Berater, dass zwar diese Verträge heute so sein müssten, aber man doch tatsächlich gerade auf ihn den größten Wert lege und „nicht so sein werde“, wie es auf dem Papier erscheine. Das mag stimmen, solange alles gut geht. Aber wenn sich die vom Chefarzt oft genug kaum noch zu beeinflussenden Umstände ändern, vielleicht auch durch Fehler des Trägers, kann er leicht zum Prügelknaben werden – dank Mustervertrag. In dieser Lage ist ein einzelner oder auch eine Gruppe von Kollegen weitgehend hilflos, die Weichen waren falsch gestellt. Wie generell bei derartigen Fehlentwicklungen, auch im niedergelassenen Bereich, kann es nur einer entschlossenen Ärzteschaft gelingen, gemeinsam den Zug umzuleiten. In diesem Fall wäre das ein Vertragsentwurf der Bundes­ärzte­kammer mit dem gleichzeitigen Angebot, nach Kammer-Kriterien geeignete Bewerber zu benennen und auch über den Vertragsabschluss hinaus zu begleiten bis zur Möglichkeit, schlichtend tätig zu werden Es könnten dann wieder Partnerschaften „auf Augenhöhe“ entstehen zum Vorteil beider Seiten . . .
Dr. med. Leo Voss, Holthues Hoff 16, 48683 Ahaus
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