ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2006Pharmakologische Therapie der rheumatoiden Arthritis: Juvenile Form verschieden

MEDIZIN: Diskussion

Pharmakologische Therapie der rheumatoiden Arthritis: Juvenile Form verschieden

Dtsch Arztebl 2006; 103(19): A-1308 / B-1113 / C-1073

Horneff, Gerd

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Kommentiert werden muss die Aussage, dass die „juvenile rheumatoide Arthritis (RA)“ eine spezielle Verlaufsform der RA sei. Nach der ILAR (International League of Associations for Rheumatology-)Klassifikation wird für das Krankheitsbild die Bezeichnung „juvenile idiopathische Arthritis“ (JIA) gewählt. Hier werden sechs Beginn- und Verlaufsformen unterschieden, die sich in klinischen, immunologischen und genetischen Merkmalen deutlich von der Erwachsenenform der RA abgrenzen lassen.
Wenngleich Gemeinsamkeiten zur RA bestehen, so sind die Unterschiede doch bemerkenswert und von entscheidender Bedeutung. Zum Beispiel tritt bei der RA eine chronische Uveitis nicht auf. Diese zählt aber zu den wesentlichen Komplikationen der JIA. Es bestehen weitere wesentliche klinische Unterschiede in der Präsentation, im Verlauf und in der Prognose. „Lediglich ein verschwindend geringer Anteil der RA-Kranken erfährt ohne therapeutische Intervention eine spontane Remission“, ist nicht auf JIA übertragbar. Einzelne Beginn- und Verlaufsformen haben eine Remissionsrate bezüglich der Gelenkerkrankung in Höhe von bis zu 80 Prozent. Unterschiede in der Prognose spiegeln sich selbstverständlich auch in der Wahl der therapeutischen Maßnahmen wider. Darüber hinaus existieren nicht für alle genannten Medikamente Studien, die eine Wirksamkeit auch bei der JIA aufzeigen. Wesentliche Unterschiede bestehen auch in der Zulassungssituation der Antirheumatika, die wiederum für einzelne Untergruppen differiert. Zum Einsatz der Antirheumatika bestehen deshalb eigene Empfehlungen der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie sowie Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.
Insbesondere chronisch kranke Kinder mit möglicherweise schweren, zur Behinderung führenden Erkrankungen benötigen ein ihrer speziellen Erkrankung angepasstes Untersuchungs-, Therapie- und Versorgungskonzept. Den Autoren möchte ich vorschlagen, ihre Empfehlung auf die rheumatoide Arthritis des Erwachsenen zu beschränken. Die Diagnose juvenile idiopathische Arthritis steht für hiervon abzugrenzende, eigenständige Krankheitsbilder, über deren Versorgungskonzepte einmal ausführlich berichtet werden sollte.

Prof. Dr. med. Gerd Horneff
ASKLEPIOS Klinik Sankt Augustin
Arnold-Janssen-Straße 29
53757 Sankt Augustin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige