ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2006Südtirol: Die Waale des Vinschgau

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Südtirol: Die Waale des Vinschgau

Berg, Detlef

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Neben den Waalen verlaufen die Wanderwege. Fotos: Detlef Berg
Neben den Waalen verlaufen die Wanderwege. Fotos: Detlef Berg
Wandern zwischen Meran und Mals

Pünktlich um neun Uhr versammelt sich eine kleine Touristengruppe an der Talstation der St.-Martin-Seilbahn in Latsch. Allerdings geht es nicht mit der Bahn nach oben, vielmehr steht eine Wanderung entlang eines Waals auf dem Programm. „Bei uns im Vinschgau ist die Trockenheit vor allem auf
den sonnigen Südhängen seit Jahrhunderten ein Problem“, erklärt Wanderführerin Nicole. „Dabei gibt es jede Menge Wassermoleküle, aber nur in Form von Eis auf den Gletschern. Dort oben fällt auch viel Niederschlag, vom Tal aber halten die hohen Berge den Niederschlag häufig fern.“ Deshalb schaufelten die Bergbauern Gräben, durch die sie das Gletscherwasser kilometerweit auf ihre kargen Felder leiteten. Wo das kostbare Wasser nicht durch Gräben fließen konnte, wurden Rinnen in den Felsen gehauen oder Rohre aus hohlen Stämmen verlegt.
Der Latschanderwaal ist der letzte große Waal des
Vinschgaus und wurde 1873 gebaut. Von März bis September werden rund 120 Liter Wasser pro Sekunde durch ein ausgeklügeltes System auf 45 Hektar Obst- und Weinfelder geleitet. Felszeichnungen früherer Waalhüter zeugen von der komplizierten Verteilung des kostbaren Guts. Parallel zu den Wasserläufen wurden Steige angelegt, die heute zu Spaziergängen einladen.
Zunächst führt der Pfad oberhalb der Etsch durch einen wild anmutenden Waldstreifen, später öffnet sich das Tal, und Obsthaine und Rebterrassen säumen den Waal. Nach knapp einer Stunde taucht das mächtige Schloss Kastelbell auf, in dem Künstler der Region ihre Werke zeigen. Hinter dem kleinen Ort geht die Wanderung auf dem Schnalser Waalweg weiter. Der Pfad führt jetzt durch schattige Kastanien- und Eichenwälder. Hinter einem renovierten Bauernhof erklingt eine „Waalschelle“. „Die an einem Wasserrad befestigte Glocke ist ein unüberhörbarer Wächter. Solange das Wasser fließt, bimmelt sie unermüdlich. Wenn sie verstummt, ist es für den ,Waaler‘ an der Zeit, auszurücken und nach dem Rechten zu sehen“, erklärt Nicole. Der Schnalsweg führt zum Schloss Juval, das von Weinbergen umgeben auf einer Anhöhe thront. Hier wohnt der derzeit wohl berühmteste Südtiroler: Reinhold Messner. Die 1278 erbaute Anlage ist sorgfältig restauriert und für Besucher geöffnet. Kunstsammlungen können besichtigt werden, und der Schlosswirt lädt zum Probieren einer tibetisch-tirolerischen Küche ein.
Schmankerl
Feinschmeckern empfiehlt Nicole das Restaurant Kuppelrain gegenüber dem Schloss  Kastelbell. 1988 kauften Sonja und Jörg Trafoier das Gebäude am Bahnhof; sie überzeugen mit einer leichten Küche und einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Im Frühjahr wird Spargel serviert, Brennnesselsuppen, gefüllte Teigtaschen und Geflügel kommen im Sommer auf den Tisch. Der Herbst schließlich lockt mit Pilzen, Wild und Obstgerichten. Dazu serviert Sommelière Sonja die passenden Weine, etwa den ausgezeichneten Blauburgunder vom gegenüber liegenden Weingut Köfel.
Zwischen Meran und Mals
Vinschgau: Schloss Kastelbell
Vinschgau: Schloss Kastelbell
Mit der Vinschgerbahn, die zwischen Meran und Mals pendelt, geht es zurück ins Hotel nach Latsch. Nach dem Abendessen berichtet Walter Klotz über den Obst- und Weinanbau im Vinschgau. „Wenn wir Minusgrade erwarten, spritzen wir Wasser auf die Blüten. Das sich dann bildende Eis schützt paradoxerweise die empfindlichen Blüten vor dem Erfrieren.“ Das unvergleichliche Aroma verdankt der Vinschger Apfel nicht nur den vielen Sonnentagen, sondern auch der Anbauhöhe und den großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Zur Freude der Gäste hat Klotz einige Obstler aus seiner Schnapsbrennerei zum Verkosten mitgebracht. Dabei werden die Wanderpläne für den nächsten Tag besprochen. Detlef Berg


Reise-Tipps
Lage: Der Vinschgau erstreckt sich von Meran rund 80 Kilometer in westliche Richtung bis zum Reschenpass. Er bietet kulturelle Schätze, Wandermöglichkeiten und eine große Auswahl an Unterkünften aller Kategorien.
Restaurant-Tipp: Restaurant Kuppelrain, Bahnhofstraße 16, I-39020 Kastelbell, Telefon/Fax: 00 39/4 73 62 41 03.
Vinschger Bahn: Seit dem 5. Mai 2005 ist die Bahnlinie Meran–Mals wieder in Betrieb. Sie stellt einen vom Stau unabhängigen Korridor im Tal dar und erschließt den Touristen einen bequemen Zugang zu den schönsten Ferienregionen.
Informationen: Tourismusverband Vinschgau, Kapuzinerstraße 10, I-39028 Schlanders, Telefon: 00 39/47 37 37 00, Fax: 00 39/73 70 11, Internet: www. vinschgau.is.it.
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