ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2006Schüleraustausch im Grundschulalter: Lebenslange Freundschaften

VARIA: Bildung und Erziehung

Schüleraustausch im Grundschulalter: Lebenslange Freundschaften

Bühring, Petra

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Myrthe und Cécile haben sich vor sieben Jahren bei einem Austausch kennen gelernt (oben) – sie verbindet immer noch eine herzliche Freundschaft. Fotos: privat
Myrthe und Cécile haben sich vor sieben Jahren bei einem Austausch kennen gelernt (oben) – sie verbindet immer noch eine herzliche Freundschaft. Fotos: privat
En Famille Deutschland e.V. organisiert
den Austausch in französische Familien.

Niklas verbrachte als Neunjähriger ein halbes Jahr bei einer Gastfamilie im französischen Vernon an der Ardèche. Deren Sohn Pascal lebte im Gegenzug sechs Monate bei Niklas’ Familie in Ulm. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete 1998 (Heft 17) über diese ungewöhnliche Form des Schüleraustausches – Kinder im zarten Grundschulalter für einen relativ langen Zeitraum in die Obhut einer fremden Familie zu geben. Mög-lich macht dies En Famille Deutschland e.V., ein gemeinnütziger Verein, der sich aus hochmotivierten Eltern in Frankreich und Deutschland zusammensetzt, die ihren Kindern die Idee von Europa nahe bringen wollen. Unterstützt wird das Projekt von der Europäischen Union.
Der heute 18-jährige Niklas macht bald Abitur, spricht fließend Französisch und ist immer noch mit Pascal befreundet. Abgesehen von der Sprache und dem Kennenlernen einer anderen Kultur, sind möglicherweise lebenslang andauernde Freundschaften ein Aspekt für einen solchen Austausch. Niklas’ jüngere Schwester Myrthe (14) telefoniert jede Woche stundenlang mit ihrer französischen Freundin Cécile, bei deren Familie sie vor sieben Jahre gelebt und gemeinsam mit Cécile die Schule besucht hat. Und die Austauschpartnerin seiner älteren Schwester Nora (21) verbrachte vergangenes Jahr zwei Monate bei der Familie in Ulm, um ein Praktikum zu absolvieren. Noras Studienwahl ist immer noch von dem Schüleraustausch geprägt: Sie studiert „International Tourism and Leisure Management“ in den Niederlanden.
Niklas’ Mutter, Dr. med. Annette Handke-Vesely, war und ist so überzeugt von dem En-Famille-Konzept, dass sie ihre drei Kinder in die Obhut sorgfältig ausgewählter französischer Familien gab und sich auch heute noch stark für den Verein engagiert. Die Gynäkologin glaubt, dass gerade Ärzte wissen, wie wichtig es ist, Fremdsprachen fließend zu sprechen und deshalb um die Möglichkeit eines frühen Auslandsaufenthaltes wissen sollten. Besonders acht- bis zehnjährige Kinder, an die die Organisation sich gezielt richtet, lernen fremde Sprachen schnell und können sich zudem leichter auf andere Familien und neue Schulen einlassen als Jugendliche in der Pubertät.
Sorgfältige Auswahl
Die Gastfamilien in beiden Ländern werden sehr sorgfältig ausgewählt. Zum einen muss ein 25-seitiger Fragebogen ausgefüllt werden, in dem sich jedes Familienmitglied ausführlich selbst beschreiben und einschätzen muss. Wichtig ist auch, wie viel Zeit für das Gastkind – das wie ein eigenes Kind in der Familie aufgenommen werden soll – zur Verfügung steht. Bewirbt sich eine Familie, erhält sie zunächst Besuch von einer erfahrenen Austauschfamilie in ihrer Nähe. Auskünfte werden auch bei Referenzfamilien und bei der Schule eingeholt. Schließlich wird die ganze Familie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, bei dem auch andere bei En famille e.V. engagierte Familien anwesend sind. 800 Kindern hat die Organisation seit 1978 einen Auslandsaufenthalt ermöglicht.
Die Kosten für die Vermittlung und Betreuung betragen für das halbe Jahr 900 Euro, für ein Geschwisterkind 700 Euro. Ausführliche Informationen stehen im Internet zur Verfügung: www.enfamille.de oder bei: En Famille Deutschland e.V., Dr. Annette Handke-Vesely, Eythstraße 11, 89075 Ulm, E-Mail: info@enfamille.de. Petra Bühring
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