ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2006Bildung im Alter: „Man lernt nie aus“

VARIA: Bildung und Erziehung

Bildung im Alter: „Man lernt nie aus“

Kuhlmann, Heidi

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Bildungshungrige Senioren wünschen sich altershomogene Gruppen. Foto: ddp
Bildungshungrige Senioren wünschen sich altershomogene Gruppen. Foto: ddp
Die Studie „Bildung im Alter“ stellt Probleme und Fortschritte bei Seniorenbildungsangeboten fest.

Ältere Menschen fragen verstärkt nach Bildungsangeboten. Dies fand die Studie „Bildung im Alter“ heraus, die von Prof. Dr. Martin Kohli, Freie Universität Berlin, Institut für Soziolo-gie, Forschungsgruppe Altern und Lebenslauf (FALL) und dem infas Institut für angewandte Sozialwissenschaften GmbH in Bonn im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchgeführt wurde. Denn Bildung steigert auch im Alter die Lebensqualität, geistige Fitness und bietet die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen. Nach dem Motto „Man lernt nie aus“ hat zwischen 1994 und 1999 ein Viertel der Befragten ab 50 angegeben, an Bildungsveranstaltungen teilzunehmen. 50- bis 54-Jährige besuchten mit 29 Prozent doppelt so häufig wie 55- bis 69-Jährige und dreimal so häufig wie Menschen ab 70 Fortbildungen. Gründe, warum die Teilnehmerzahl mit zunehmendem Alter abnimmt, sind Probleme bei der An- und Rückfahrt, den Veranstaltungszeiten und vor allem der Wunsch nach altershomogenen Gruppen. Letzterem kommen trotz der demographischen Entwicklung nur sieben Prozent der Veranstalter nach. Die Studie weist darauf hin, dass die Bildungsnachfrage in den nächsten Jahren enorm steigen wird, weil die Rate derjenigen (in diesem Fall der Frauen) ohne schulischen oder beruflichen Abschluss von 60 Prozent 1994 auf 25 Prozent im Jahre 2014 absinken wird.
Zunehmend beliebt werden die Seniorenakademien: Diese Einrichtungen, mit weitgefächertem Kursangebot, werden von Senioren für Senioren betrieben. Dabei steht es jedem Interessierten frei, sich stark zu engagieren oder auch nur gelegentlich, zwanglos Kurse zu besuchen, in denen auf Gruppenzusammenhalt großer Wert gelegt wird. Hauptanbieter für spezielle Seniorenveranstaltungen sind immer noch die Volkshochschulen (25 Prozent), Kirchen und kirchlichen Träger (13 Prozent), Vereine/Seniorenakademien (neun Prozent) und Wohlfahrtsverbände (neun Prozent). Bei der Frage nach Themen, die in den nächsten zwei Jahren für die knapp 2 000 Befragten (im Alter von 50 bis 75 Jahren) von Interesse wären, gaben 45 Prozent an, Kunst-, Musik- und Konzertveranstaltungen besuchen zu wollen. Auffällig sind geschlechtsspezifische Interessen. Die Frauen zeigen eine deutlich höhere Nachfrage an musischen und gestalterischen Bildungsangeboten, wohingegen die Männer lieber an gesellschaftlichen, politischen, rechtlichen, technischen und naturwissenschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen würden.
Heidi Kuhlmann
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