ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2006Standpunkt: Jede Leistung vergüten
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LNSLNS Unaufhaltsam wird das gesamte Ausmaß deutlich: Unbezahlte ärztliche Tätigkeit – in Kliniken geleistet als unvergütete Mehrarbeit und unterbezahlte „Bereitschaftsdienste“, im ambulanten Bereich geleistet durch budgetbedingt nichtvergütete Leistungen – sind nicht nur eine Subvention des Gesundheitssystems. Unvergütete ärztliche Leistungen sind eine tragende, von der Politik in der Kalkulation fest eingerechnete, Säule in der Finanzierung des Systems. So wird im klinischen Bereich unvergütete ärztliche Mehrarbeit im Wert von einer Milliarde Euro im Jahr geleistet. Durch die basisgetragenen Proteste gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen wird immer mehr Ärzten ihr Anteil an der Finanzierung des Gesundheitssystems bewusst. Die Proteste haben daher nicht nur den Sinn, einen gesetzmäßigen Zustand der Arbeitsbedingungen überhaupt erst herzustellen, sondern auch dem System die Säule der Finanzierung durch unvergütete ärztliche Arbeit zu entziehen. Ziel muss es sein, wirklich jede ärztliche Leistung finanziell abzubilden und nur bei adäquater Vergütung zu erbringen. Dies gilt für den ambulanten wie den stationären Bereich. Wie sehr die Politik und die Arbeitgeber Angst vor einem Wanken des Systems haben, zeigt die Hysterie, mit der sie den Zusammenbruch der klinischen Versorgung bereits bei einigen Tagen Streik an Unikliniken propagieren. Leistungserbringung nur bei angemessener Vergütung ist nicht unärztlich. Bereits die Berufsordnung sieht eine angemessene Honorierung ärztlicher Leistung vor. Damit soll sichergestellt werden, dass der Arzt medizinisch gebotene Leistungen nicht zu billig erbringt und damit die Sicherung seines Lebensunterhaltes gefährdet, was ihn anfällig machen kann für therapeutische Einflussnahme Dritter.
Johannes Kamp, Dr. med. Dieter Bimmel
Interessengemeinschaft deutsche Klinikärzte e.V.
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