ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2006zur Air Berlin AG: Die große Flatter

VARIA: Schlusspunkt

zur Air Berlin AG: Die große Flatter

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Letztens saß ich wieder einmal im völlig falschen Flugzeug, je nach Blickwinkel natürlich. Also, ich in einer Maschine der dba, will gerade Weiterbildung betreiben und die Börsenzeitung lesen, da lacht mich doch auf dem Nebensitz eine zugegeben gut gemachte Zeitungsbeilage für den Börsengang der Air Berlin an. Spätestens jetzt wusste ich, alles falsch gemacht in Sachen Transportwesen.
Mit Air Berlin bin ich noch nie geflogen, wie furchtbar, aber andere, gottlob. Darunter auch ein gewisser Johannes B. Kerner, der nette Schwiegermuttertyp und Dampfplauderer, der seine Sache ja auch wirklich gut macht, gar keine Frage. Der gute Johannes fliegt offenbar ständig mit dieser Linie, denn unter der Werbebotschaft „clever profitiert“ teilt der Moderator dem Anleger mit, er sei so oft mit Air Berlin geflogen und habe von denen profitiert, und nun wolle er auch mal an den Trog und vom Börsenkuchen ein Stückchen abhaben.
Na ja, Trog hat er nicht gesagt, das ist von mir, aber die Botschaft ist schon klar: „Ich der gute, ehrliche Kumpeltyp, ich, Johannes B. Kerner, zeichne Aktien von Air Berlin.“ Nur mal so am Rande: Was für ein Zufall, dass der Chef von Air Berlin am 22. November in der „JBK“-Show zu Gast war und JBK beflissen die Verdienste des Unternehmers Joachim Hunold lobte.
Langsam stellen sich mir aber doch die Nackenhaare hoch. Immer wenn mit großem Werbeaufwand nette Jungs Aktien wie Fritten anpreisen, und dann noch auf Du und Du, dann schwant mir Arges. Das ist schon bei der Deutschen Post nicht so richtig gut gegangen, als die Gottschalk-Brüder die Emission des gelben Riesen den Leuten schmackhaft machen wollten, der Kurs hat bisher wenigstens nicht kumpelhaft reagiert.
Schlimmer gar erwischte es die vielen Millionen Kleinanleger, die dem Fernsehstar Manfred Krug vertrauten. In sehr gekonnter Manier machte der Mime für den Börsengang der Deutschen Telekom Werbung und vermittelte einem das Gefühl, tausendprozentig hinter der Aktie zu stehen. Ob er sein üppiges Honorar mittlerweile aus Scham zurückgegeben hat, entzieht sich meiner Kenntnis, ich tippe aber eher auf mangelnde Selbstkritik, seinen Job, also schauspielern, das würde Manfred Krug vermutlich einwenden, habe er ja glänzend erledigt. Wie wahr, wie wahr.
Bleibt nur noch die Hoffnung, dass die Unternehmensstory von Air Berlin so gut ist, dass sich die Zeichnung der Aktien letztendlich auszahlt, mit und ohne Promi-Unterstützung. Davon kann aber keine Rede sein. Abgesehen davon, dass ein Gutteil des Emissionserlöses („clever profitieren“) an die Altaktionäre geht, was in der Regel eher negativ zu sehen ist, hat Air Berlin in den letzten beiden Jahren jedenfalls keinen Gewinn erzielt, und daran wird sich meiner Meinung nach in naher Zukunft nichts ändern. Wer die Aktie hat, kann sich also getrost aufs Nervenflattern einstellen.
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