ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2006Wenn die Liebe schwindet
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LNSLNS Paartherapie
Liebe im Mittelpunkt
Jürg Willi, Bernhard Limacher (Hrsg.): Wenn die Liebe schwindet. Möglichkeiten und Grenzen der Paartherapie. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart, 2005, 244 Seiten, gebunden, 24,50 €
Die Vorträge eines hochkarätig besetzten Psychotherapiekongresses mit dem Titel „Psychotherapie – im Fokus der Liebe“, im Jahr 2004 an der Universität Zürich durchgeführt, bieten die Grundlage für das Buch mit zwölf Aufsätzen verschiedener Autoren. In zwei Sektionen findet eine Beschäftigung mit theoretischen Konzepten und therapeutischer Praxis statt.
Im ersten Abschnitt beschäftigt sich Gunter Schmidt mit dem gesellschaftlichen Hintergrund paartherapeutischer Arbeit, Arnold Retzer mit der Funktion von Liebesmythen und Astrid Riehl-Emde mit grundlegenden Aspekten der Liebe im Fokus der Paartherapie. Der zweite Abschnitt beginnt mit Aufsätzen von Alice Holzhey-Kunz und Gisela Ana Cöppicus Lichtsteiner. Im darauf folgenden Aufsatz führt Monika Schäppi in ihren therapeutischen Ansatz ein, der Liebe als Mittelpunkt des Paares sieht. Guy Bodenmann zeigt Aspekte der Liebe in der Verhaltenstherapie mit Paaren auf, Ulrich Clement beschäftigt sich mit der erotischen Entwicklung in langjährigen Partnerschaften. Zwei Aufsätze von David Schnarch und Bernhard Limacher beschließen den Abschnitt. Am Ende des Buches ziehen die Herausgeber Schlussfolgerungen für die Liebe als Thema der Paartherapie.
In seiner Einleitung macht Jürg Willi mit der überraschenden Tatsache vertraut, dass „Liebe“ in der Paartherapie bis vor wenigen Jahren kein relevantes Stichwort war und in der Fachliteratur kaum behandelt wurde. Liebe wurde in Fachkreisen als romantisches, nicht ernst zu nehmendes Thema abgetan. Um diese Vernachlässigung zu überwinden, war erstmalig die Liebe in den Mittelpunkt eines wissenschaftlichen Fachkongresses gestellt worden.
In seinem Aufsatz im theoretischen Teil beschäftigt sich Willi mit der Unterscheidung der alltagspraktischen Partnerliebe, der erotisch-sinnlichen Liebe und der ersehnten absoluten Liebe. Bei der Ersteren geht es um die Bewältigung der Alltagsgestaltung einer Partnerbeziehung. Das Aushandeln von Spielregeln und Privilegien, das Verteilen von Pflichten und Aufgaben gehören dazu wie auch das Ausbalancieren von Geben und Nehmen. Die erotisch-sinnliche Liebe orientiert Willi auf die Befriedigung der sexuellen Libido. Die Lust an der sexuellen Vereinigung hat viele Aspekte des Spiels, aber auch des Kampfes und benötigt auf längere Sicht Abwechslung und Überraschung. Die absolute Liebe ist davon deutlich unterschieden. Die Liebenden ersehnen das Aufgehobensein in der Liebe und die Verschmelzung in ihr. Diese Sehnsucht wird nur in wenigen Alltagssituationen erfüllt, was häufig zu Enttäuschungen und Kränkungen führt. Die Sehnsucht der absoluten Liebe ist aber Angelpunkt der Beziehung der Liebenden, die als unfassbarer Grund das ganze Leben bestimmen kann. Joachim Koch
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