BÜCHER

Psyche und Ästhetik

PP 5, Ausgabe Mai 2006, Seite 194

Dannecker, Karin

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Kunsttherapie
Hervorragende Einführung
Karin Dannecker: Psyche und Ästhetik. Die Transformationen der Kunsttherapie. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin, 278 Seiten, 117 meist farbige Abbildungen, gebunden, 49,90 €
Das Buch beginnt sogleich mit der Schlüsselfrage der Kunsttherapie: Was bietet die Kunst der seelischen Gesundheit? In ihrer Habilitationsschrift befasst sich Karin Dannecker mit den psychischen Aspekten der Kunstgestaltung und Rezeption – eben mit den von Kunsthistorikern so oft vernachlässigten und gleichwohl zentralen Fragen. Ihre psychologische Herangehensweise ist ausdrücklich psychoanalytisch orientiert. Die entsprechenden Teile der psychoanalytischen Theorie in all ihren Facetten werden referiert und an konkreten Beispielen anschaulich dargestellt. Immer wieder bezieht sich Dannecker dabei auf die Triangulierung der therapeutischen Dyade durch das entstehende Werk. Dieses „gemeinsame Werkstück“, das in der Arbeit von Patient und Therapeut entsteht, schafft eine konkrete neue Ebene, die sowohl in der praktischen Arbeit genutzt werden kann als auch den therapeutischen Prozess sichtbar und nachvollziehbar werden lässt. Entsprechend der jahrelangen Arbeit an der Hochschule der Künste in Berlin kommen die Bildbeispiele aber nicht nur aus den Ateliers der Kunsttherapie, sondern sind immer wieder mit Kunstwerken von Lukas Cranach bis Emil Nolde und von Pablo Picasso bis Meret Oppenheim konfrontiert und ergänzt.
In acht Kapiteln wird das komplexe Gebiet der Kunsttherapie umkreist. Ausführlich wendet sich Dannecker der Bedeutung des Settings, der Übertragung und Gegenübertragung, den Halt gebenden Funktionen und der Rolle der Sprache in der Kunsttherapie zu. Mit gleicher Ausführlichkeit werden aber auch primär künstlerische Fragen gestellt. Hier geht es nun um das Material und die ästhetische Form, ohne die Fantasien, Wünsche und Konflikte keinen Ausdruck finden können. Immer wieder macht die Autorin anschaulich, dass der Erfolg der Kunsttherapie auf der Fähigkeit beruht, sowohl psychotherapeutisch zu denken als gleichzeitig auch künstlerisch handeln zu können. Dass dadurch hohe Anforderungen an Kunsttherapeuten gestellt werden, liegt auf der Hand. Das Buch ist eine hervorragende, auf jahrzehntelanger Auseinandersetzung basierende Einführung und Reflexion der Kunsttherapie, theoretisch umfassend fundiert und von sicherem künstlerischen Gespür getragen. Hartmut Kraft
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