ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2006Psychisch kranke Kinder: Politik hält Versorgung für ausreichend

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Psychisch kranke Kinder: Politik hält Versorgung für ausreichend

Bühring, Petra

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Foto: OBS/Initiative „Mehr vom Tag – mehr vom Leben“
Foto: OBS/Initiative „Mehr vom Tag – mehr vom Leben“
Bundes­psycho­therapeuten­kammer fordert getrennte Bedarfsplanung.

Die Bundesregierung hält die Gesundheitsversorgung für psychisch kranke Kinder und Jugendliche für ausreichend. Es lägen „keine Erkenntnisse über generelle Versorgungsprobleme“ vor, heißt es in der Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag. Die FDP hatte unter Hinweis auf Angaben der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) hervorgehoben, „dass ein Besorgnis erregend hoher Anteil von Kindern und Jugendlichen von circa fünf Prozent psychisch auffällig beziehungsweise behandlungsbedürftig“ sei.
Die Bundesregierung bestätigt die Zahl, auch seien „Aussagen von Berufsverbänden und der BPtK über Engpässe in ländlichen Gebieten und in Ostdeutschland bekannt“. Eine gesonderte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) wird dennoch nicht „für unbedingt erforderlich“ gehalten. Sachgerecht sei vielmehr, lokalen Versorgungsengpässen mit Sonderbedarfszulassungen zu begegnen.
Das Instrument der Sonderbedarfszulassung habe seit Jahren nichts an der Unterversorgung geändert, erklärt dagegen Timo Harfst, Referent der BPtK. In Sachsen-Anhalt beispielsweise sind nur zwei Kinderpsychotherapeuten zugelassen und acht Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und
-psychotherapie. Diese müssten bei einer Prävalenz von fünf Prozent 18 000 psychisch kranke Kinder versorgen. Die Situation in anderen ostdeutschen Ländern ist ähnlich. Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer fordert deshalb eine getrennte Bedarfsplanung für Erwachsenen- und für Kindertherapeuten. Damit könnten sich bundesweit 866 zusätzliche KJP
niederlassen.
Zum 31. Dezember 2005 waren in Deutschland 2 485 KJP sowie 598 Kinderpsychiater zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassen (Quelle: Bundesarztregister). PB
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