ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2006Befragung von Wöchnerinnen: Unzufrieden mit Unterstützung

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Befragung von Wöchnerinnen: Unzufrieden mit Unterstützung

Voigt, Manfred

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Ergebnisse der Kinderwunsch- und Wachstumsstudie

Um Aufschluss über die Zufriedenheit von Wöchnerinnen mit ihrer Lebenssituation zu erhalten, wurden im Rahmen einer „Kinderwunsch- und Wachstumsstudie“ bundesweit 5 143 Wöchnerinnen befragt (1998 bis 2000). Aufgrund des unterschiedlichen generativen Verhaltens in der DDR und in der Bundesrepublik Deutschland (unter anderem Heirats- und Scheidungsverhalten, Alter bei der ersten Geburt, Anzahl der realisierten Kinder) gilt dem Vergleich neue zu alten Bundesländern ein besonderes Interesse.
Dabei zeigen sich folgende Unterschiede: Während rund 82 Prozent der Wöchnerinnen in den alten Bundesländern insgesamt mit ihrem derzeitigen Lebensstandard zufrieden sind, sind dies in den neuen Bundesländern nur rund 72 Prozent. Aufgeschlüsselt nach der Kinderzahl, steigt der Anteil der Unzufriedenen mit der Anzahl ihrer Kinder sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern (hier stärker) an. Auch in der Zufriedenheit mit dem verfügbaren Haushaltsnettoeinkommen zeigten sich deutliche Unterschiede. Danach waren rund 62 Prozent der Wöchnerinnen aus den alten Bundesländern mit ihrem Einkommen „eher beziehungsweise sehr zufrieden“. In den neuen Bundesländern waren es nur rund 42 Prozent. Hinsichtlich der Zufriedenheit mit den Möglichkeiten der Kinderbetreuung sind weniger Unterschiede anzutreffen, als man erwarten könnte: Etwa die Hälfte der befragten Wöchnerinnen ist mit dem Angebot der Möglichkeiten der Kinderbetreuung zufrieden (neue Bundesländer 55 Prozent; alte Bundesländer 57 Prozent). Gleichzeitig ist aber die Unzufriedenheit in den alten Bundesländern (18,4 Prozent) höher als in den neuen Bundesländern (13,8 Prozent). Die insgesamt hohe Unzufriedenheit mit der staatlichen Unterstützung von Familien ist sehr auffällig. In den neuen Bundesländern liegt sie mit circa 51 Prozent höher als in den alten Bundesländern mit 47 Prozent.
Die Ursache für die hohe Unzufriedenheit (besonders in den alten Bundesländern) ist in einer unzeitgemäßen Familienpolitik zu suchen, die keine Gleichzeitigkeit von Mutterschaft und Erwerbsfähigkeit im Blick hat, sondern mit einem Nacheinander von Beruf, Kinderpause und Wiedereinstieg den Erwartungen der Frauen an eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht gerecht wird. Die Untersuchung zeigt, dass sich die Wöchnerinnen insgesamt mehr staatliche Unterstützung wünschen. Dies steht aber derzeit noch immer im Gegensatz zum Leitbild der deutschen Sozialpolitik, die Leistungen vom Staat generell für nachrangig gegenüber der Selbsthilfe und Privatinitiative der Familien ansieht (Subsidiarität). Schnelle politische Entscheidungen zugunsten einer besseren Familienpolitik sind dringend notwendig. Priv.-Doz. Dr. Dr. rer. med. Manfred Voigt

Die Langfassung ist abrufbar unter www.aerzteblatt.de/aufsaetze/0601.
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