ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2006Drogenbericht: Erneut weniger Drogentote

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Drogenbericht: Erneut weniger Drogentote

Bühring, Petra

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Foto: KEYSTONE Früh übt sich: Das Risiko für eine psychische Abhängigkeit von Cannabis ist umso größer, je früher Jugendliche zum Joint greifen.
Foto: KEYSTONE Früh übt sich: Das Risiko für eine psychische Abhängigkeit von Cannabis ist umso größer, je früher Jugendliche zum Joint greifen.
Entscheidung zur heroingestützten Behandlung gefordert


Das Ausmaß der Drogenabhängigkeit in Deutschland sei weiterhin „alarmierend“, erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, anlässlich der Präsentation des Drogen- und Suchtberichts am 3. Mai in Berlin. Abhängig von Tabak sind demnach 16,7 Millionen, von Alkohol sind es 1,6 Millionen,
als medikamentenabhängig gelten 1,5 bis 1,9 Millionen Menschen.
Besorgniserregend ist vor allem der steigende Cannabiskonsum bei Jugendlichen: Das Einstiegsalter ist in den letzten Jahren gesunken und liegt aktuell bei 16,4 Jahren im Durchschnitt. „Je früher die Jugendlichen zum Joint greifen, desto größer ist das Risiko für eine psychische Abhängigkeit“, betonte Bätzing. Frühzeitig einsetzende Beratungsangebote und Präventionsmaßnahmen, wie beispielsweise die Internetportale www.realize-it.org und www.drugcom.de sollen Jugendliche über die Risiken aufklären. Eine „Schlüsselfunktion“ sieht Bätzing jedoch vor allem in der Tabakprävention: Jugendliche, die keine Zigaretten rauchen, griffen auch nicht so schnell zum Joint. Rauchen werde in der Altersgruppe indes zunehmend „uncool“: Während 2001 noch 28 Prozent der 12- bis 17-Jährigen geraucht haben, waren es 2005 noch 20 Prozent. Die Drogenbeauftragte führt dies unter anderem auf das Verbot von Kleinstzigarettenpackungen und kostenlosen Abgaben zu Werbezwecken zurück. Einfluss habe auch die dreistufige Tabaksteuererhöhung gehabt. Die zeitgleich mit dem Drogen- und Suchtbericht veröffentlichte Studie „Umsetzung, Akzeptanz und Auswirkungen der Tabaksteuererhöhung“ belegte, dass 6,1 Prozent der Befragten die letzte Stufe der Tabaksteuererhöhung zum Anlass genommen hat, mit dem Rauchen aufzuhören. Einfluss auf den gesunkenen Tabakkonsum bei Jugendlichen hat auch das Rauchverbot an Schulen. Sechs Bundesländer haben das Rauchverbot bisher jedoch noch nicht umgesetzt: Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Die Zahl der Todesfälle infolge des Konsums illegaler Drogen ist im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent gesunken und seit dem Jahr 2000 rückläufig. Sie befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit 1989. Mit dazu beigetragen haben der Ausbau niedrigschwelliger Beratungsangebote für Opiatabhängige sowie eine verbesserte Substitutionsbehandlung. Bätzing wies insbesondere auf das Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung Schwerstabhängiger hin, das eine deutliche Überlegenheit zur Methadonsubstitution gezeigt hat: Verbessert hat sich der Gesundheitszustand, zurückgegangen ist der Konsum anderer illegaler Drogen sowie die Beschaffungskriminalität beim ärztlich begleiteten Konsum von Heroin als Medikament (Diamorphin) (siehe DÄ, Heft 14/2006). Die Drogenbeauftragte plädierte dafür, dieses Hilfsangebot für den zahlenmäßig sehr kleinen Personenkreis in die Versorgung aufzunehmen. Das Modellprojekt läuft Ende Juni aus, daher drängt die Zeit. Auch der drogenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Detlef Parr, fordert die Bundesregierung auf, eine entsprechende Änderung des Betäubungsmittelgesetzes „schnellstens zu prüfen“. PB

Der Drogen- und Suchtbericht im Internet unter:
www. drogenbeauftragte.de
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