ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 2/2006Geschlossene Fonds: Vorjahresrekord nur knapp verfehlt

Supplement: PRAXiS

Geschlossene Fonds: Vorjahresrekord nur knapp verfehlt

Dtsch Arztebl 2006; 103(20): [12]

Löwe, Armin

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Beteiligungen an Immobilien, Schiffen, Filmen, alternativen Energien und Zweitmarktpolicen sind weiterhin begehrt. Zweitmärkte ermöglichen erstmals einen vorzeitigen Ausstieg.

Geschlossene Fonds sind im Trend. Immer mehr Anleger erkennen, dass durch die Beimischung von geschlossenen Fonds eine Risikodiversifikation erzielt wird, die mit den herkömmlichen Anlageinstrumenten Aktie und Anleihe nicht möglich ist. Zudem bieten viele geschlossene Immobi-
lien- und Schiffsfonds über Ausschüttungen höhere regelmäßig jährlich ausgezahlte Erträge, die bei den herkömmlichen Assetklassen nicht zu realisieren sind.
Die Anbieter von Beteiligungsmodellen haben im Jahr 2005 ein Eigenkapital von 12,295 Milliarden Euro akquiriert – die dritthöchste Summe überhaupt. Dass der Vorjahresrekord von 12,845 Milliarden Euro verfehlt wurde, lag vor allem an den steuerpolitischen Entscheidungen und der Einführung des § 15 b Einkommensteuergesetz (EStG), der die Verrechnung von steuerlichen Verlusten, sofern sie über zehn Prozent des Kommanditkapitals hinausgehen, verbietet. Wie die Analyse des Beteiligungsmarkts zeigt, die seit zehn Jahren regelmäßig von Stefan Loipfinger, Herausgeber des Fondstelegramms, veröffentlicht wird, gingen durch den § 15 b EStG und andere Maßnahmen der Finanzverwaltung 650 Millionen Euro Umsatz verloren.
Der Beteiligungsmarkt, früher auch ein Teil des grauen (weil unregulierten) Kapitalmarkts, umfasst die geschlossenen Immobilienfonds (In- und Ausland), Schiffsbeteiligungen, Film- und Medienfonds, Beteiligungen an Windkraftanlagen und jene Fonds, die in Secondhand-Versicherungen anlegen. Üblicherweise werden diese Anlagen in der Rechtsform der Kommanditgesellschaft angeboten. Nach der Einwerbung der Kommanditisten (= Anleger) werden die Fonds geschlossen, daher werden diese Beteiligungen unter dem Sammelbegriff geschlossene Fonds geführt. Weil die geschlossenen Fonds teilweise mit bis zu 50 Prozent Fremdkapital arbeiten, können mit den platzierten 12,3 Milliarden Euro Investitionen von schätzungsweise 24,12 Milliarden Euro in Immobilien, Schiffen, Filmen, alternativen Energien und Zweitmarktpolicen getätigt werden.
Das Hin und Her um das Ende der steuerlichen Verluste hatte erhebliche Auswirkungen auf das Platzierungsvolumen. Für 200 bis 300 Millionen Euro haben Anleger Beteiligungen storniert, nachdem der § 15 b EStG entgegen den Erwartungen der Branche eingeführt wurde (rückwirkend zum 11. November 2005). Zahlreiche Initiatoren hatten für diesen Fall den Anlegern ein erweitertes Rücktrittsrecht eingeräumt, von dem dann auch Gebrauch gemacht wurde.
Besseres Image
Weitere 150 Millionen Euro Umsatz gingen verloren, weil zwei Medienfonds rückabgewickelt wurden. Die beiden Filmfonds entschlossen sich zu diesem Schritt, nachdem die Münchner Finanzverwaltung an einige Initiatoren Briefe geschickt hatte, in denen mit der Anwendung des § 2 b EStG gedroht wurde, der die Werbung mit Steuervorteilen verbietet. Vermittler hatten möglicherweise mit Verlusten geworben, was die Streichung der Verluste und damit erhebliche Schäden für die Anleger nach sich gezogen hätte.
Erheblichen Umsatz dürfte auch die Affäre um die VIP-Fonds gekostet haben. Andreas Schmid, Chef des Münchner Initiators VIP, war im Sommer 2005 verhaftet worden, weil die Steuerfahndung ihn verdächtigte, Gelder für die Finanzierung der Garantien abgezweigt und direkt an die Garantie leistenden Kreditinstitute überwiesen zu haben. Damit hätten die Anleger ungerechtfertigte Steuervorteile erhalten. Denn eine Garantie, die wegen der Unsicherheit der Erlösprognosen bei Filmfonds üblich war, ist nur dann steuerunschädlich, wenn das Anlegergeld wirklich in die Filmherstellung fließt und der Filmproduzent dann eine Garantie ausspricht, die durch eine Bankbürgschaft unterlegt werden kann.
Weil der aktuelle VIP-Fonds nach demselben Strickmuster wie die anderen von der Steuerfahndung inkriminierten Filmbeteiligungen der VIP-Gruppe konzipiert war, wurde dieser vom Markt genommen. Auch dadurch büßten die geschlossenen Fonds insgesamt, aber gerade auch die Medienfonds Umsatz ein, denn VIP war im Jahr 2004 mit einem Absatz von
410 Millionen Euro zum Branchenführer aufgestiegen.
Ein anderes wichtiges Ereignis hat zumindest zeitweise den Verkauf von geschlossenen Fonds beeinträchtigt: Seit dem 1. Juli 2005 müssen die Prospekte nach dem Anlegerschutzverbesserungsgesetz von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) genehmigt werden. Hier handelt es sich zwar um eine rein formale Prüfung. Es wird nur festgestellt, ob zu allen relevanten Punkten im Prospekt eine Angabe zu finden ist. Ob diese der Wahrheit entspricht, wird nicht geprüft. Gleichwohl musste der Vertrieb bei einigen Fonds für mehrere Wochen unterbrochen werden, weil der alte Prospekt nicht mehr benutzt werden durfte und der neue noch nicht genehmigt war. Auch wenn es sich nur um eine rein formale Prüfung des BAFin handelt, haben die geschlossenen Fonds etwas von ihrem „grauen Kapitalmarkt-Image“ abgestreift.
Wer gedacht hätte, dass die Genehmigungspflicht der Prospekte zu einem Rückzug einiger Anbieter geführt hätte, sah sich getäuscht. Die Zahl der Initiatoren ist sogar gestiegen und höher, als Analyst Loipfinger auf Basis seiner Datenbank vermutet hatte. Das ergab sich aus der neuen Genehmigungspflicht der Prospekte. Insgesamt tummeln sich 548 Initiatoren auf dem Markt der geschlossenen Fonds, 2004 waren es nur 362. Die Zunahme wird von Analyst Loipfinger mit gemischten Gefühlen gesehen. Denn es besteht die Befürchtung, dass die starke Nachfrage nach geschlossenen Fonds auch zahlreiche Glücksritter anzieht, die auf einen schnellen Profit aus sind und weniger auf einen langfristigen Marktauftritt.
Erwartungsgemäß ging das akquirierte Eigenkapitalvolumen bei den geschlossenen Immobilienfonds zum Teil deutlich zurück. Das traf Auslands- wie Inlandsfonds. In der Regel liegt das daran, dass die Initiatoren nur schwer geeignete – das heißt langfristig voll vermietete – Objekte zu guten Preisen finden.
Die Schiffsfonds konnten überraschend ihren Absatzrekord des Jahres 2004 noch einmal, wenn auch nur leicht, überbieten. Überraschend deshalb, weil es den Initiatoren immer schwerer fällt, attraktive Schiffe zu bekommen. Die Werften sind auf Jahre ausgelastet, nur wer rechtzeitig bestellt hat, kann in diesem und im nächsten Jahr ein vergleichsweise preisgünstiges Schiff ab Werft erhalten. Darüber hinaus waren Secondhand-Schiffe im letzten Jahr zeitweise teurer als Schiffe, die von der Werft kommen. Die Nachfrage nach Schiffsfonds ist nach wie vor sehr groß, weil die Schiffsfonds derzeit alle mit üppigen Ausschüttungen aufgrund der historisch hohen Charterraten bis Sommer 2005 glänzen konnten.
Allerdings hat der geschlossene Fonds gegenüber Aktie und Anleihe einen großen Nachteil: Die Anteile werden nicht börsenmäßig gehandelt, ein Ausstieg ist nur sehr schwer möglich. Daher gibt es inzwischen zahlreiche Versuche, einen funktionierenden Zweitmarkt zu organisieren. Das tun viele Initiatoren selbst, wie etwa Jamestown, Marktführer für US-Immobilienfonds, oder auch renommierte Schiffsfondsanbieter wie Norddeutsche Vermögen oder Conti.
Zweitmarkt ermöglicht vorzeitigen Ausstieg
Daneben gibt es mittlerweile auch einige Zweitmarktfonds, die in Anteile von geschlossenen Immobilienfonds und Schiffsfonds investieren, wie der H.F.S. Zweitmarktfonds Deutschland 2 und der Maritim Invest V, weil diese eine gute Rendite bringen. Ausschüttungen von sechs bis sieben Prozent – teilweise steuerfrei – sind bei geschlossenen Immobilienfonds möglich. Zweistellige Ausschüttungen, die dank der Tonnagesteuer völlig steuerfrei sind, bieten die Schiffsfonds.
Diesen Zweitmärkten haftet aber auch ein entscheidender Nachteil an: Die firmeninternen Zweitmärkte handeln nur mit Anteilen der selbst aufgelegten Fonds, und die Zweitmarktfonds nehmen nur Anteile von sehr gut laufenden Fonds, wenn sie diese zu günstigen Preisen bekommen können. Anleger, die ihr Engagement lösen wollen, sollten sich nicht unbedingt auf die Preisgebote der Zweitmarktfonds verlassen, sondern auch andere Verkaufskanäle nutzen.
Bereits seit einigen Jahren organisiert die Hamburger Börse einen Zweitmarkt (Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG), auf dem die Fondsanteile nahezu aller Emissionshäuser gehandelt werden. Auch die Düsseldorfer Börse hat mit Gefox eine Handelsplattform etabliert, allerdings haben noch keine Umsätze stattgefunden, weil dort praktisch nur Fonds, die in den letzten beiden Jahren aufgelegt wurden, gelistet werden. „Verkaufswünsche stellen sich meist erst drei bis fünf Jahre nach Auflegung eines Fonds ein“, sagt Klaus-Dieter Schmidt, Geschäftsführer der IVG ImmobilienFonds, deren Fonds in Hamburg und in Düsseldorf zum Handel zugelassen sind.
Konkurrenz ist den traditionellen Wertpapierbörsenplätzen Düsseldorf und Hamburg nun durch Efonds24 entstanden, eine internetgestützte Vertriebsplattform, die von rund 3 000 freien Finanzdienstleistern genutzt wird. Die freien Vermittler einzuschalten, bewertet Alexander Betz, Efonds24-Geschäftsführer, als wichtigen Vorteil seines Konzepts. Auch wenn geschlossene Fonds in der Mehrzahl inzwischen von Kreditinstituten verkauft werden, sind die Finanzdienstleister nach wie vor ein wichtiges Bindeglied zum Endkunden. Das hat auch die Fondsbörse Deutschland in Hamburg erkannt. Denn kaum zwei Monate nach der Gründung des Zweitmarkts von Efonds24 präsentierte Hamburg gleichfalls Partner bei den freien Vermittlern: Ein Kooperationsvertrag mit fünf großen Vertriebspools (unter anderem Bit, Brenneisen Capital, Jung, DMS & Cie.) sieht vor, dass die Berater der Vertriebspartner ihre Kunden auf die Möglichkeit aufmerksam machen, geschlossene Fonds in Hamburg am Zweitmarkt zu verkaufen.
Efonds24 kann einen zweiten Vorteil in die Waagschale werfen. Eine Börse oder ein Handelsplatz steht und fällt mit der ausreichenden Liquidität, die vorhanden sein muss, um über Zufallsgeschäfte hinaus einen regelmäßigen Handel zu ermöglichen. Die Liquidität stellt beim Efonds24-Zweitmarkt indirekt die US-Investmentbank Lehmann Brothers zur Verfügung, die neben anderen potenten Partnern mit 25 Prozent an Meridian 10 beteiligt ist, welche die auf dem Zweitmarkt zum Verkauf angebotenen Anteile geschlossener Fonds übernehmen soll. „Dafür steht ein dreistelliger Millionenbetrag zur Verfügung“, erklärt Dr. Guido Komatsu, Mitglied der Geschäftsführung von Meridian10. Wie viel Liquidität an der Hamburger Fondsbörse bereit steht, ist unbekannt, weil es keinen einzelnen Aufkäufer der Fondsanteile gibt. 2005 wechselten in Hamburg Fondsanteile für 41 Millionen Euro den Besitzer, immerhin 70 Prozent mehr als 2004 – aber immer noch sehr wenig im Vergleich zum gesamten Marktpotenzial. Denn insgesamt dürften nach Schätzung des Analysten Loipfinger mehr als 100 Milliarden Euro in geschlossenen Immobilienfonds und Schiffsfonds investiert sein.
Noch ist der Zweitmarkt sehr fragmentiert, aber das muss nach Meinung von Eric Romba, Hauptgeschäftsführer des VGF Verband Geschlossene Fonds, kein Nachteil sein. In der Tat: Konkurrenz belebt das Geschäft und am Ende wird sich das bessere Konzept durchsetzen. Auf der anderen Seite versickert durch die Zersplitterung viel Liquidität, die gebündelt an einem Handelsplatz die Suche nach einem Käufer eines Fondsanteils erleichtern würde. Für den Anleger bedeutet dies, dass er möglichst alle Zweitmarktkanäle nutzen sollte, um einen möglichst guten Preis beim Verkauf der Fondsanteile zu erzielen.
Trotz der neuen Ausstiegsmöglichkeiten: Den Anlegern sollte bewusst sein, dass ein Engagement in einem geschlossenen Fonds ein langfristiges Investment ist. Wer sich schon bei der Zeichnung mit dem Gedanken trägt, nach ein paar Jahren auszusteigen, kann eine böse Überraschung erleben. Armin Löwe
Anzeige
Grafik: Geschlossene Fonds im Überblick

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema