ArchivDeutsches Ärzteblatt20/200624-Stunden-Dienst: Ein Gegenvorschlag
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LNSLNS Auch ich habe im Akutkrankenhaus derartige (Vollzeit-) Dienste erlebt und habe mich manchmal gewundert, was man alles aushalten kann. Was mir an dem Artikel gar nicht gefallen hat, war der abschließende Kommentar: „Einmal mehr bin ich der Ansicht, dass die Fristverlängerung zur Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie keine gute Idee ist.“ Diese Meinung teile ich als Klinikarzt überhaupt nicht. Ich wünsche mir dringend, dass die EU-Arbeitszeitrichtlinie überarbeitet wird, da sie völlig pauschal und undifferenziert den Ärzten Regelungen überstülpt, welche von diesen nicht gewollt sind. Dazu folgendes Beispiel aus meinem Arbeitsalltag: Meine reguläre Arbeitszeit als Assistenzarzt beträgt 38,5 Wochenstunden, und diese halte ich dank einer Stechuhr am Klinikeingang auch ein. Anfallende Überstunden von maximal ein bis zwei Stunden täglich werden bei flexibler Arbeitszeitregelung (Gleitzeit) in Freizeit abgegolten. Dazu kommen mindestens drei, maximal fünf Nacht- bzw. Wochenenddienste pro Monat. Die Bereitschaftsdienststufe B besagt, dass nur ein Bruchteil meiner Bereitschaftsdienstzeit auch Arbeitszeit ist, d. h., während der gesamten Zeit halte ich mich zwar im Klinikgebäude auf, überwiegend (zu mehr als 50 Prozent der Anwesenheitszeit!) gehe ich dort jedoch Freizeitbeschäftigungen wie Lesen (freiwillige Fortbildung etc.) nach. Durch die neue EU-Arbeitszeitrichtlinie geschieht nun folgender Unsinn: Die Wochenenddienste müssen, statt wie bisher auf zwei Dienst habende Ärzte, nunmehr auf mindestens vier Ärzte verteilt werden. Durch die verkürzten Arbeitszeiten wird das Wochenende zerstückelt (falls ich mehrmals eingesetzt werde), oder ich muss an mehreren Wochenenden (statistisch jedes zweite Wochenende bei sieben Dienst tuenden Ärzten in der Klinik) Teile eines Wochenendtages opfern. Das behindert erstens die Kontinuität bei Freizeitbeschäftigungen mit der Familie oder im Freundeskreis und bedeutet eine erhebliche Einbuße an Lebensqualität. Zweitens muss viel mehr hin- und hergefahren werden zwischen Wohnort und Arbeitsstätte . . . , drittens ist die Flexibilität der Arbeitszeitgestaltung deutlich gemindert im Fall von Krankheit eines Kollegen, da weniger spontane Ersatzmöglichkeiten bestehen, viertens bedeutet es deutliche Gehaltseinbußen von etwa einem Viertel meines Gesamtgehalts, da nächtliche Anwesenheit plötzlich als volle Arbeitszeit gilt und ich am Folgetag gehen muss (auch wenn ich wie üblich durchgeschlafen habe) . . . Mein konstruktiver Gegen-Vorschlag: Sollte in einem Bereitschaftsdienst von 24 Stunden mehr als 50 Prozent reale Arbeitszeit anfallen, muss der Dienst beendet werden.
Christian Weidner, Eichbergblick 19, 31789 Hameln
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