ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2006Präventionsgesetz: Das Zauberwort

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Präventionsgesetz: Das Zauberwort

Dtsch Arztebl 2006; 103(20): A-1362 / B-1157 / C-1113

Rendenbach, Ulrich; Große, Katrin

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LNSLNS Erfahrene Praktiker wie Ärzte und Psychotherapeuten, die mit Patienten arbeiten, begrüßen nicht selten das Scheitern des neuen Präventionsgesetztes. Prävention, die „Vierte Säule im Gesundheitssystem“, gleicht einem Zauberwort, von dem man sich Lösungen erhofft. Die Suchmaschine Google findet prompt zum Stichwort Prävention 2 640 000 Treffer. Prävention meint, zukünftige Gefahren und Risiken zu definieren und zu minimieren und ist so alt wie die Menschheit. Es gibt zweifellos sinnvolle und bewährte Methoden, die Gesundheit zu erhalten. Beispielsweise rechtfertigen die meisten Impfungen Kosten und Aufwand . . . Die moderne Prävention ist anders und wesentlich mehr als bloße Diätberatung und Raucherentwöhnung. Sie begreift sich als einen von der Zeit abhängigen Prozess bezüglich der Abwendung pathologischer Veränderungen. So wurden die Erfolge der Medizin bei der Eindämmung großer Seuchen durch Maßnahmen erreicht, die aus der Erkenntnis der Pathogenese stammten. Das heißt, dass zu Konsultation und Symptomfrüherkennung die treibende Kraft der Aufklärung kommt. Wird diese treibende Kraft aber durch Angst, z. B vor Krebserkrankungen, genährt, wird man eben auch nur die Ängstlichen erreichen. Wer treibt Gesunde in die Praxen mit Sätzen wie „heute muss keiner mehr am Kolonkarzinom sterben“? Ist das wirklich immer nur Altruismus? Und stimmt das überhaupt? Es wird unterstellt, dass man zukünftige Gesundheit heute planen und kaufen kann. Aber muss das gesetzlich festgeschrieben werden? Aus einem Recht auf (bezahlte) Prävention kann schnell ein Gesetz diese zur Pflicht machen. Strafen sind längst angedacht, wie höhere Beiträge zur GKV bei Verweigerern . . . Sollte das Gesetz beschlossen werden, zeigt es allerdings auch eine erfreuliche Wirkung. Es wird das hohe Tempo aller Veränderungen in Bezug auf Prävention durch bürokratischen Aufwand bremsen. Wer also mit der „Vierten Säule im Medizinbereich“ das schnelle Geld verdienen will, wird sich gedulden müssen . . .
Literatur bei den Verfassern
Dr. med. Ulrich Rendenbach, Barckefeldtstraße 17, 37115 Duderstadt
Dipl.-Psychologin Katrin Große, Goetheallee 59, 01309 Dresden
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