ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2006Jüdische Ärzte: Die Not der Flüchtlinge erkennen

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Jüdische Ärzte: Die Not der Flüchtlinge erkennen

Dtsch Arztebl 2006; 103(20): A-1364 / B-1158 / C-1114

Spinner, Sebastian

Zu dem Beitrag „Jüdische Ärzte in der NS-Zeit: ,Wir waren Ausgestoßene‘“ von Dr. phil. Rebecca Schwoch in Heft 11/2006:
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Es ist ja umstritten, inwieweit die verzweifelte Lage der Juden in Deutschland dem Ausland seinerzeit bekannt war und inwieweit dieses Mitwissen verleugnet oder zumindest verdrängt wurde. Heute aber, mehr als 70 Jahre danach, können wir bei den Möglichkeiten heutiger Medien nicht mehr behaupten, dass wir Deutschen (diesmal auf der anderen Seite) und Europäer nichts über die Not der Menschen wissen, die zu uns zu fliehen versuchen. Wir bezeichnen sie „nur“ als Wirtschaftsflüchtlinge, aber eine Abweisung bedeutet für viele den Tod, ob sie bei erneuten Fluchtversuchen mit skrupellosen Schlepperbanden ums Leben kommen, ob sie in der Wüste sterben, in die sie dank globaler Berichterstattung vor unseren Augen ausgesetzt werden, oder ob sie an Krankheiten, Hunger und Krieg in ihrem Heimatland zugrunde gehen. Tragen wir mit unserer protektiven Haltung nicht zu ihrem Tod mit bei? Ich bin in einem Land aufgewachsen, aus dem man nicht herauskonnte. Jetzt lebe ich in einem Land, in das man nicht mehr hineinkommt. Geschichte ist doch dazu da, dass man daraus lernt. Die Fehler der Vergangenheit zu benennen, ist dabei nur der erste Schritt, sie nicht zu wiederholen, der zweite.
Sebastian Spinner, Lindenstraße 38, 17139 Malchin
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