ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2006Kompendium evidenzbasierte Medizin
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Evidenzbasierte Medizin
Auf der sicheren Seite
G. Ollenschläger, H.C. Bucher, N. Donner-Banzhoff u. a. (Hrsg.): Kompendium evidenzbasierte Medizin. Clinical Evidence Concise. Verlag Hans Huber, Bern, 2006, XXXVIII, 1189 Seiten, durchgehend zweifarbig, 3 Abbildungen, 15 Tabellen, kartoniert, 59,95 €
Das wünscht man sich: eine handliche Übersicht über das relevante, gesicherte und aktuelle Wissen, um die wichtigsten klinischen Krankheitsbilder richtig behandeln zu können. Die gibt es. Es handelt sich in großen Teilen um die deutsche Übersetzung von „Clinical Evidence Concise“, die bei circa 200 Krankheiten, von Absencen, Acne vulgaris und Analfissur bis zum Zervikalsyndrom, Zwangsstörung und Zystitis in der gesamten Breite der Medizin nicht nur den aktuellen Stand der medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnis beschreibt, sondern mit Literaturstellen und einem deutschen Kommentar den Einblick in die Tiefe der gemachten Aussagen ermöglicht.
Zur jeweiligen Ausgangsfrage nach dem therapeutischen Nutzen folgt das Ranking nach „Nutzen belegt“, „Nutzen wahrscheinlich“, „Nutzen und Schaden abzuwägen“ über „Nutzen unbekannt“ bis hin zu „Unwirksamkeit oder Schädlichkeit wahrscheinlich“. Nicht länger als drei bis vier Minuten dauert es, sich einen konkreten Eindruck zu verschaffen, welche Maßnahme sinnvoll und welche verzichtbar ist. Wer es genauer wissen will, hat mit jedem gedruckten Exemplar die Zugriffsmöglichkeiten zur Internetausgabe, Links zur Literatur und zu aktuellen Ergänzungen inklusive.
Auch für diejenigen, die Statistik eher nicht mögen, sind die farbigen 4-Felder-Tafeln im Anhang des Buches eine wunderbare Methode, das individuelle Risiko seines herz-kreislauf-erkrankten Patienten anschaulich zu machen. Der therapiephobe Patient lässt sich leichter ermutigen, seine Medikamente einzunehmen („Sehen Sie, Sie sind mit Ihren Risikofaktoren im roten Bereich“), dem ängstlich veranlagten genügt vielleicht ein Blick auf seinen „blauen Bereich“, um auf die zu erwartenden Nebenwirkungen eines pauschal empfohlenen Präparates zu verzichten. Aus einer Leitlinie wird so eine Therapie nach Maß.
Noch nie wurde es dem praktizierenden Arzt so leicht gemacht, sich präzise und „qualitätsgeprüft“ zu informieren und sich und seine Patienten mit den getroffenen Entscheidungen auf der sicheren Seite zu wissen.
Günther Jonitz
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