ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2006Evidenzbasierte Medizin am Beispiel der diabetischen Retinopathie: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Evidenzbasierte Medizin am Beispiel der diabetischen Retinopathie: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2006; 103(20): A-1384

Hörle, Steffen

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LNSLNS Mithilfe des Artikels sollte verdeutlicht werden, dass die evidenzbasierte Medizin (EbM) als Hilfestellung für therapeutische Fragestellungen ausreichend Spielraum für die Einbindung eigener klinischer Erfahrung lässt. Hierzu wurden die Studien, auf denen die gegenwärtige Therapie der diabetischen Retinopathie und Makulopathie basiert, angeführt.
Neben den von Herrn Dr. v. Ehrlich zitierten Studien gibt es zahlreiche weitere Arbeiten unterschiedlicher Evidenzklassen mit zumeist kleinerem Patientenkollektiv, die bestätigen, dass ein niedriger Serummagnesiumspiegel und eine diabetische Retinopathie miteinander einhergehen können.
So beschreiben beispielsweise White und Campbell (1) in einem Übersichtsartikel basierend auf einer Medline-Suche einen Zusammenhang zwischen Hypomagnesiämie und Komplikationen des Diabetes mellitus. Dieser Zusammenhang mündete in der Empfehlung der American Diabetes Association, bei dokumentierter Hypomagnesiämie und Vorliegen eines Diabetes mellitus Magnesium zu supplementieren. Die Autoren schränken jedoch ein, dass der Effekt der Supplementation auf eine diabetische Retinopathie nicht evaluiert wurde.
Elamin und Tuvemo (2) forderten vor der generellen Einführung eines solchen Therapieregimes noch die Durchführung gut angelegter kontrollierter Studien. Walter und Co-Autoren (3) beschrieben neben den Alterationen im Magnesiumstoffwechsel auch Veränderungen im Kupfer- und Zinkstoffwechsel. Sie schlossen jedoch, dass nicht bekannt sei, ob die Stoffwechselschwankungen der Spurenelemente eine Folge des Diabetes sind oder ob sie wirklich zur Expression der Erkrankung beitragen.
Insofern ist die Empfehlung der American Diabetes Association, Magnesium bei erniedrigtem Magnesiumspiegel eines Diabetikers zu supplementieren, natürlich sinnvoll. Da es jedoch unseres Wissens bislang keine Daten gibt, die belegen, dass mittels einer Magnesiumsupplementation bei niedrigem Magnesiumspiegel im Blut eine diabetische Retinopathie oder Makulopathie verhindert oder behandelt werden kann, fand die Magnesiumsupplementation keine Berücksichtigung in unserem Artikel.
Dass Magnesium zu preiswert war, um zum Gegenstand großer prospektiver Studien gemacht zu werden, ist die Meinung von Herrn Dr. v. Ehrlich, die sich weder be- noch widerlegen lässt. Hier ist der Leser aufgefordert, sich sein eigenes Urteil zu bilden.

Dr. Hörle erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Literatur
1. White JR, Campbell RK: Magnesium and diabetes: a reviews. Ann Pharmacother 1993; 27(6): 775–80.
2. Elamin A, Tuvemo T: Magnesium and insulin-dependent diabetes mellitus. Diabetes Res Clin Pract 1990; 10(3): 203–9.
3. Walter RM, Uriu-Hare JY, Olin KL et al.: Copper, zinc, manganese, and magnesium status and complications of diabetes mellitus. Diabetes Care 1991; 14(11): 1050–6.

Dr. med. Steffen Hörle
Klinik für Augenheilkunde, Standort Marburg
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Robert-Koch-Straße 4
1.
White JR, Campbell RK: Magnesium and diabetes: a reviews. Ann Pharmacother 1993; 27(6): 775–80. MEDLINE
2.
Elamin A, Tuvemo T: Magnesium and insulin-dependent diabetes mellitus. Diabetes Res Clin Pract 1990; 10(3): 203–9. MEDLINE
3.
Walter RM, Uriu-Hare JY, Olin KL et al.: Copper, zinc, manganese, and magnesium status and complications of diabetes mellitus. Diabetes Care 1991; 14(11): 1050–6. MEDLINE
1. White JR, Campbell RK: Magnesium and diabetes: a reviews. Ann Pharmacother 1993; 27(6): 775–80. MEDLINE
2. Elamin A, Tuvemo T: Magnesium and insulin-dependent diabetes mellitus. Diabetes Res Clin Pract 1990; 10(3): 203–9. MEDLINE
3. Walter RM, Uriu-Hare JY, Olin KL et al.: Copper, zinc, manganese, and magnesium status and complications of diabetes mellitus. Diabetes Care 1991; 14(11): 1050–6. MEDLINE

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