ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2006Teneriffa: Im Zeitraffer durch die Vegetationszonen

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Teneriffa: Im Zeitraffer durch die Vegetationszonen

Gerst, Thomas

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Hochplateau des Teide-Nationalparks: Reiz der Vulkanlandschaft Foto: Thomas Gerst
Hochplateau des Teide-Nationalparks: Reiz der Vulkanlandschaft Foto: Thomas Gerst
Fast mit Tränen reise ich ab; ich möchte mich hier ansiedeln: und ich bin doch kaum vom europäischen Boden weg. Könntest du diese Fluren sehen, diese tausendjährigen Wälder von Lorbeerbäumen, diese Trauben, diese Rosen! Mit Aprikosen mästet man hier die Schweine. Alle Straßen wimmeln von Kamelen.“ Auf dem Weg nach Südamerika machte Alexander von Humboldt 1799 Station auf Teneriffa und berichtete seinem Bruder Wilhelm voller Begeisterung aus dem Orotava-Tal (Valle de la Orotava). Der Begriff Tal führt ein wenig in die Irre, handelt es sich doch um einen Küstenstreifen im Norden der Insel, der landeinwärts auf rund 13 Kilometer Luftlinie bis 1 950 Meter Höhe ansteigt und im Westen und Osten durch Querriegel zum Meer hin begrenzt wird.
Kamele sind heute auf den Straßen Teneriffas nicht mehr zu sehen, und bei der Schweinemast greift man inzwischen auf andere Zutaten zurück. Mit seiner Mutmaßung über die Zukunft Teneriffas traf Humboldt nicht ins Schwarze: „Die canarischen Inseln sind noch auf lange von den Übeln der Überbevölkerung bewahrt.“ Den Wunsch, der kalten Jahreszeit auf Dauer oder zumindest für einige Wochen zu entfliehen, verspürten nach Humboldt nicht wenige Kontinentaleuropäer. Und Nachkömmlinge derjenigen Tenerifeños, die früher in die Karibik oder nach Südamerika ausgewandert waren, zieht es nunmehr wieder zurück auf die Insel. Folge: Die bebaubaren freien Flächen an der Nordküste werden rar, und an der einst menschenleeren kargen Südwestküste wurden immer neue Hotelanlagen aus dem Boden gestampft, um der touristischen Nachfrage entsprechen zu können.
Es sind die außergewöhnlichen klimatischen Bedingungen und die unterschiedlichen Vegetationsstufen auf engstem Raum, die Teneriffa nach wie vor zu einem von vielen bevorzugten Reiseziel machen. Die größte der Kanarischen Inseln liegt geographisch im Grenzbereich der Subtropen und der gemäßigten Breiten im Atlantischen Ozean. Nahe der afrikanischen Küste gelegen, findet man auf der Insel den immer währenden Frühling mit Durchschnittstemperaturen von 20° C im Winter und 25° C im Sommer. Teneriffa ist vulkanischen Ursprungs; den Großteil der Landfläche bildet ein Gebirgsmassiv mit dem Pico de Teide als höchstem Punkt (3 718 m). Die Fahrt aus dem Valle de la Orotava ähnelt einer Zeitraffer-Reise durch
Im subtropischen Klima entlang der Küste gedeihen Bananen. Fotos (2): Tenerife Tourism Corp.
Im subtropischen Klima entlang der Küste gedeihen Bananen. Fotos (2): Tenerife Tourism Corp.
verschiedene Kleinklimazonen auf den verschiedenen Höhenlagen. Auf die subtropische Blütenpracht des Küstenstreifens mit Palmen und Bananenplantagen folgt die Flora der gemäßigten Regionen, und man erreicht recht zügig die karge Hochgebirgslandschaft. Auf dem Hochplateau rund um den Pico de Teide landet man schließlich in einer faszinierenden Vulkanlandschaft. Der Teide-Nationalpark mit der Anmutung der Mondoberfläche ist eine der Hauptattraktionen Teneriffas. Auf dem Weg dorthin durchquert man ausgedehnte Kiefernwälder, deren Fortbestand für Teneriffa überlebenswichtig ist, sichern diese doch die Wasserversorgung der Insel. Das Besondere an diesen Kiefern sind die langen Nadeln, mit denen die Feuchtigkeit aus den Wolken aufgenommen wird. Von den Kiefern tropft das Wasser zu Boden; in einem unterirdischen Stollensystem wird das versickernde Wasser aufgefangen und der Trinkwasserversorgung zugeführt. Flüsse oder Seen sucht man vergeblich auf der Insel.
Mit dem Touristen-Boom der vergangenen Jahrzehnte auf Teneriffa ging ein starker Wandel der Sozialstrukturen einher. Die früher strikte Trennung zwischen Arm und Reich, zwischen Ober- und Unterschicht löste sich auf, nicht zuletzt deshalb, weil die alte Oberschicht der Landeigentümer häufig den neuen Wirtschaftstrend verschlafen hatte. Auf der Plaza in Orotava flanieren heute sonntags Arm und Reich nicht mehr getrennt, und die Gräfin bedient mittlerweile in ihrem eigenen Restaurant.
Wer der kalten Jahreszeit in Kontinentaleuropa entfliehen möchte, ist auf Teneriffa gut bedient; man kann sich als rundum versorgter Pauschaltourist in einem der zahlreichen gu-ten Hotels in Puerto de la Cruz einquartieren und die von Manrique künstlerisch gestaltete Strandarchitektur genießen. Der Unternehmenslustige wird vermutlich das Angebot reizvoll gestalteter ländlicher Unterkünfte vorziehen und von dort aus zu Entdeckungsfahrten über die Insel aufbrechen. Thomas Gerst


Informationen : Tenerife Tourism Corporation, Deutschland-Repräsentanz, Clemensstraße 24, 80803 München, E-Mail: tenerife@tmf-gmbh.de, Tel.: 0 89/33 05 67 80, Fax: 0 89/33 05 67 89
Blick auf das Orotava-Tal mit dem 3 718 m hohen Pico de Teide im Hintergrund
Blick auf das Orotava-Tal mit dem 3 718 m hohen Pico de Teide im Hintergrund
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